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Wer in Lippe die 112 anruft, landet in Lemgo. Rund 50.000 Einsätze wurden im vergangen Jahr von der Leitstelle aus koordiniert.

Angesiedelt ist die zentrale Feuerschutz- und Rettungsleitstelle am Feuerwehrausbildungszentrum in Brake. Die Zahl der Anrufe ist gegenüber 2018 um mehr als 10.000 auf 109.029 gestiegen, im Durchschnitt auf 299 Anrufe pro Tag. Allerdings nicht, weil mehr passiert ist. Zwischenzeitlich wurde die Rufnummer des Hausarzt-Notdienstes, die 116-117, ebenfalls zur Leitstelle umgestellt. So können die Mitarbeiter dort auch diejenigen weitervermitteln, die zwar einen Arzt brauchen, aber nicht in einer akuten Notlage sind. Gut 30.000 Mal wurde für Anrufer ein Arzt beauftragt.

Zugleich ging die Zahl der Rettungs- und Krankentransporteinsätze um rund 1000 auf 46.000 zurück. Landrat Dr. Axel Lehmann sah das bei der Jahresbilanz der Leitstelle als Zeichen, dass die Aufschaltung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ein Erfolg ist: „Die Mitarbeiter der Leitstelle können ganz gut abschätzen, ob das ein Fall für den ärztlichen Notdienst oder für einen Rettungswagen ist.“

Und das Team in der Leitstelle macht noch mehr. 198 sogenannte „Telefonreanimationen“ gab es 2019 – Fälle, wo die Mitarbeiter aus Lemgo die Anrufer bei der ersten Hilfe beraten und begleitet haben, bis der Rettungswagen eintraf. Noch ganz neu ist das System für den „AML-Notruf“, die „Advanced Mobile Location“: Sei einem Monat kann ein Anrufer, der per Smartphone die 112 wählt, automatisch geortet werden – „auf einen Meter genau“, sagt Meinolf Haase, Fachdienstleiter beim Kreis Lippe. In rund zehn Fällen wurde so der Einsatzort ermittelt.

Ziehen Bilanz: (von links) Jörg Düning-Gast (Leiter Fachbereich Service), Landrat Dr. Axel Lehmann, Kreisbrandmeister Karl-Heinz Brakemeier und Daniel Fischer, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes.

Eine weitere Entlastung verspricht sich der Kreis Lippe als Dienstherr der Leitstelle und des Bevölkerungsschutzes von einem Telenotarztsystem, das im Rahmen der Kooperation mit den Kreisen Paderborn und Höxter eingeführt werden soll. Dabei können die Notfallsanitäter online Kontakt zu einem Notarzt aufnehmen, der beispielsweise erste Schritte am Patienten begleitet, bis der „leibhaftige“ Notarzt eintrifft, oder das Team auf der Fahrt ins Krankenhaus virtuell begleitet. 2020 soll dieses System in Lippe eingeführt werden.

Obwohl Notärzte längst auch vom allgemeinen Ärztemangel betroffen sind, soll der Telenotarzt erst einmal keinen Kollegen ersetzen, sondern als zusätzliche Möglichkeit Zeit überbrücken oder die Sanitäter beraten, ob doch noch ein „lebendiger“ Notarzt hinzugezogen werden muss. Das sei aber grundsätzlich schon seltener der Fall, seitdem die Notfallsanitäter eine dreijährige Ausbildung absolvieren müssen. Die so qualifizierten Sanitäter können und dürfen mehr Fälle ohne zusätzlichen Notarzt übernehmen. Vier Notfallsanitäter haben in Lippe 2014 ihre Ausbildung abgeschlossen.

Bereit für den Ernstfall: Aus Brake können Feuerwehren in ganz Lippe bei großen Einsätzen Nachschub und Unterstützung bekommen.

Zu den Rettungseinsätzen kommen 4.346 Feuerwehreinsätze in ganz Lippe, davon 1.658 Brände. Auch diese Notrufe wurden von der Leitstelle in Lemgo aus weitergegeben. Auf dem Gelände werden außerdem Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet geschult, absolvieren die jährliche Pflicht-Atemschutzübung und auch besondere Fortbildungen wie 2019 erstmals ein Seminar zur Großtierrettung, das schnell ausgebucht war und 2021 wiederholt werden soll. Für die Ausbildung gibt es in Brake eine Atemschutzstrecke und eine Brandsimulationsanlage.

Außerdem übernimmt das Feuerwehrausbildungszentrum Dienstleistungen für die 16 Feuerwachen im Kreis. Hier werden Atemschutzgeräte – „die Lebensversicherung der Feuerwehrleute“, wie Meinolf Haase betont – gereinigt und instandgesetzt, Atemschutzflaschen neu befüllt und Schläuche gewaschen. Dafür gibt es einen hohen Turm auf dem Gelände, denn die Schläuche werden heute wie früher im Turm zum Trocknen aufgehängt. Und bei Bedarf kommt vom Feuerwehrausbildungszentrum in Brake bei großen Einsätzen Nachschub an Material.

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