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Bei der Firma Heko Spezialblechverarbeitung entwirft Jascha Baaske Metallteile für unterschiedliche Zwecke. Passgenau. Macht er Fehler, wird das teuer.

Es ist ein etwas ungewöhnlicher Bürojob. Jasche Baaske konstruiert komplexe Gebilde, die direkt nebenan in der Werkshalle entstehen sollen. Sein Arbeitgeber Heko Spezialblechverarbeitung bekommt Aufträge aus ganz Deutschland. Jeder Auftrag ist anders.

Zu der Lemgoer Firma kam der 29-Jährige auf Umwegen. Erst hatte er nach dem Abitur ein Studium angefangen – Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Aber es hakte. Der Schritt, diesen Weg abzubrechen und sich neu zu orientieren, fiel ihm nicht ganz leicht – gelohnt hat es sich allemal. „In den eineinhalb Jahren als Azubi habe ich mehr fürs Leben gelernt als im ganzen Studium“, sagt Jascha Baaske. Und in der Lemgoer Firma fühlt er sich wohl.

„Ich kenne viele, die studieren und nach ein paar Jahren merken: Das ist nichts für mich“, sagt sein Chef Jürgen Hemeier, Geschäftsführer von Heko. Die Jobsuche nach dem Studienabbruch war allerdings nicht so einfach, denn Jascha Baaske war nun doch schon etwas älter als die klassischen Azubis. Er wandte sich an die IHK, wo ihn Sebastian Prange vom Projekt „Passgenaue Besetzung“ beriet.

„Er hat mir das Gefühl gegeben, motiviert zu sein“, sagt Sebastian Prange. Dann sei das abgebrochene Studium auch kein Hindernis. Und da der IHK-Spezialist mit den Unternehmen in engem Kontakt steht, weiß er, wo welche Fähigkeiten gebraucht werden. So brachte er Bewerber und Firma zusammen – jetzt ist Jascha Baaske schon eineinhalb Jahre dabei.

An seinem Computer entwirft er dreidimensionale Darstellungen der geforderten Blechteile. Die Aufträge sind komplex, selbst individuelle Einzelstücke können Firmen hier bestellen. Das sind Teile für die Autoindustrie, Gehäuse, Halterungen. Aber es kann auch schon mal eine komplizierte Schublade für einen Metallschrank sein, weil es den Original-Hersteller nicht mehr gibt.

Am Arbeitsplatz: Für seine Zwischenprüfung hat Jascha Baaske einen Camping-Klapptisch entworfen.

Ein vielseitiger Job mit viel Verantwortung. Geht beim Design etwas schief, kann das richtig teuer werden – wenn der Fehler erst auffällt, nachdem etliche nicht funktionstüchtige Teile produziert worden sind. Bei sehr komplexen Aufträgen werden daher manchmal zunächst Muster gefertigt. Diese Entscheidung trifft der Designer. Und der Job ist abwechslungsreich, Produktdesigner schreiben auch Programme für die Maschinen. Die Verantwortung schreckt den Azubi nicht ab: „Das macht es auch interessant“.

Wichtig für eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner – früher „technischer Zeichner“ – ist ein gutes technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und Mathe sollte nicht unbedingt das schlechteste Fach gewesen sein. Dann sei dieser Beruf auch eine interessante Alternative zu bekannteren Ausbildungsberufen, etwa dem Industriemechaniker.

25 Mitarbeiter sind bei Heko in Lieme beschäftigt, dazu kommen vier Azubis. Die Atmosphäre ist gut, für Pausen steht ein Kicker bereit, bei gutem Wetter wird gemeinsam auf der Betriebsterrasse gegrillt. Jascha Baaske hat Spaß an seinen neuen Aufgaben. Und wenn es nach der Ausbildung weitergehen soll, steht ihm vieles offen: Meister, Techniker oder doch noch ein anschließendes Studium. Wer den Weg über die praktische Ausbildung geht, werde in der Industrie aber noch immer gerne genommen, weiß Jürgen Hemeier. Im Betrieb zähle immer noch die Praxis. Und da bewähre sich sein Azubi gut.

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