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Bei dem Lemgoer Medizintechnik-Hersteller kommt es auf einen hundertstel Millimeter an. Da ist Konzentration gefragt – von Anfang an.

Die Produkte sind winzig: Das Lemgoer Unternehmen Brasseler stellt vor allem Zahnarztbohrer her. Aber nicht nur: Produziert werden hier auch Präzisionsinstrumente für Zahntechniker, die Chirurgie und die Schmuckindustrie. An den Maschinen, die diese feinen, komplexen Instrumente herstellen, steht auch Alexander Ahrndt. Er macht hier eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. Und wenn er bei der Arbeit ist, darf er sich keine Unaufmerksamkeit erlauben.

Die Produkte: Zahnarztbohrer und andere feine Präzisions-Geräte, hier ein stark vergrößertes Modell und ein Original.

Zahnarztbohrer sind schon recht spezielle Produkte: Sie sind nötig, aber meist mit unangenehmen Assoziationen verbunden. Erinnert man sich nicht immer an Zahnschmerzen bei der Arbeit? „Am Anfang denkt man schon darüber nach, wozu das ist“, erzählt der Azubi. Aber irgendwann sei auch eine Kieferknochensäge lediglich ein Produkt, das höchsten Anforderungen entsprechen muss. Und letztendlich sei man ja im Fall der Fälle froh, wenn hochwertige Instrumente bei medizinischen Eingriffen verwendet werden.

Auf Brasseler ist er gekommen, weil ein Nachbar dort arbeitete und weil er durch eine Kooperation mit der Realschule im Werkunterricht schon einmal dort war. Die Schüler konnten unter Aufsicht der Azubis die betriebseigene Lehrwerkstatt nutzen. „Mir hat das sehr gut gefallen“, erinnert sich der Lemgoer an den ersten Kontakt. Also bewarb er sich, mit Erfolg.

Aus solchen Stahlstangen werden die Instrumente gefertigt.

Jetzt ist er im dritten Ausbildungsjahr und hat bereits eine Stelle bei Brasseler in Aussicht. „Wir versuchen, alle Azubis nach erfolgreichem Abschluss zu übernehmen und ihnen eine qualifizierte Stelle bei Brasseler anzubieten“, sagt Bernd Strate. Anders als in der Schule, wo ihm, wie Alexander Ahrndt einräumt, manchmal die Motivation fehlte, macht ihm hier die Arbeit Spaß. „Ich lerne immer etwas Neues kennen.“ Auch über den Ausbildungsplan hinaus, etwa in einem Robotik-Lehrgang, der den Nachwuchs auf den Einsatz neuester Technik in der Produktion vorbereitet.

Der Azubi ist in der Kundenauftragsfertigung eingesetzt, wo unterschiedliche Teile hergestellt werden – da wird es nicht langweilig. Die Maschinen einstellen und programmieren, Teile kontrollieren und vermessen, all das gehört zu seinen Aufgaben. Dabei muss er schon sehr selbständig arbeiten. „Das wird hier gut vermittelt“, lobt er. Und er ist ja nicht allein: „Man arbeitet hier im Team“, und da fühlt sich Alexander Ahrndt auch gut angenommen.

Feinjustierung: Immer wieder werden Teile nachgemessen, damit am Ende alles passt.

Offenheit, Interesse und Kommunikationsfähigkeit nennt Bernd Strate daher auch zuerst als Fähigkeiten, die angehende Mitarbeiter mitbringen sollten. Für den Beruf des Zerspanungsmechanikers sei zudem technisches Verständnis und Geschick wichtig, und in Mathe sollte man auch nicht schlecht sein. „Eine Herausforderung ist, dass die jungen Leute die Komplexität verstehen“, sagt Bernd Strate. Die Azubis hätten schon früh Verantwortung.

Denn die Mitarbeiter müssen später nicht einfach nur auf einen Knopf drücken. „Das gesamte Management einer Maschinengruppe gehört dazu“, erklärt Bernd Strate. Diese könne bis zu 14 Maschinen umfassen. Alexander Ahrndt muss alles richtig einstellen und im Blick haben und sofort merken, wenn irgendwo etwas nicht stimmt. Im schlimmsten Fall entstehen fehlerhafte Produkte, Lieferzeiten können nicht eingehalten werden, es drohen wirtschaftliche Einbußen. „Man muss sich schon konzentrieren“, sagt der Azubi.

Vorbereitung: Alexander Ahrndt richtet die Maschine für die Produktion ein.

Und der Haken? Man sollte sich nicht daran stören, auch mal schmierige Hände vom Maschinenöl zu haben, sagt Alexander Ahrndt. Neu sei auch die Schichtarbeit, aber: „Daran gewöhnt man sich.“

Bisher mangelt es bei Brasseler nicht an Bewerbern für die Ausbildungsplätze. In der Ausbildungswerkstatt lernen die Azubis zunächst die Grundlagen, bevor sie in die Produktionsteams integriert werden und Stück für Stück mehr Verantwortung übernehmen. Nach der Ausbildung gibt es viele Möglichkeiten zur Weiterbildung, ob zum Meister, durch ein ergänzendes Studium oder die Ausbildung zum Techniker oder Konstrukteur. Durch Schulungen können sich Mitarbeiter spezialisieren. Und dieses Engagement findet Brasseler laut Aussage des Unternehmens lobenswert und unterstützt seine Mitarbeiter bei ihren Weiterbildungen. Auch die Möglichkeit eines dualen Studiums unter anderem in den Bereichen Produktions- und Maschinentechnik wird gefördert. Aber erst einmal ist Alexander Ahrndt froh, in seinem Beruf weiter arbeiten zu können.

Kontrolle: Wenn Alexander Ahrndt seine Produkte überprüft, schaut ihm Ausbildungsleiter Bernd Strate (hinten) nur noch fürs Foto über die Schulter.

 

Vielfältige Ausbildung

Das Lemgoer Unternehmen Brasseler produziert medizintechnische Geräte der Marke „Komet“. Rund 1.400 Mitarbeiter hat die Firma, 1.150 davon am Standort Lemgo. Das Unternehmen baut spezielle Präzisionsmaschinen selbst, daher findet sich bei Brasseler eine große Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten. Rund 60 Azubis gibt es hier, die nicht nur Zerspanungsmechaniker, sondern auch Industriemechaniker, Mechatroniker, Technischer Produktdesigner oder Fachkraft für Lagerlogistik werden können. Auch im kaufmännischen Bereich wird der Industriekaufmann oder der Kaufmann im E-Commerce ausgebildet. Dazu kommt das Angebot für ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik.

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