Offcanvas Info

Assign modules on offcanvas module position to make them visible in the sidebar.

A A A

In der Werkstatt in Lieme werden historische Bauelemente zum Teil mit modernstem Gerät restauriert. Eine Arbeit, die viel Sachkenntnis, Leidenschaft und Fingerspitzengefühl erfordert.

Eduard Krecker nimmt es ganz genau. Jeder Winkel, jede Leiste muss exakt passen. Das erwartet sein Lehrmeister auch von ihm, denn das Lemgoer Unternehmen Kramp & Kramp ist deutschlandweit gefragt, wenn es um Denkmalsanierung und -restaurierung geht. Da muss alles stimmen, auch bei den Lehrlingen.

Werkstattleiter Dieter Nagel hat daher im Blick, was der Nachwuchs so macht. Bei Eduard Krecker ist er allerdings schon recht entspannt, denn er ist bereits im dritten Lehrjahr und überzeugt durch sehr gute Leistungen, wie sein Chef betont. Deswegen hat er auch schon ein eigenes Projekt: Der Azubi baut eine historische Tür nach.

Auch diese Fenster aus einem Klostergebäude werden in der Werkstatt in Lieme aufgearbeitet. Werkstattleiter Dieter Nagel zeigt den Azubis, worauf es dabei ankommt.

Die Tür soll in eine alte Stadtvilla im Taunus eingebaut werden, dort führt sie – als einer von zwei Türflügeln – auf einen Balkon. Die zweite Tür gibt es noch, sie ist Vorbild für die Rekonstruktion. Etwa 100 Jahre alt ist das Original, dem die neue Tür gleichen soll. Aber ein paar moderne Errungenschaften sollen auch mit rein: Einbruchsicheres Glas, das mit einer Alarmanlage verbunden wird. Historische Optik trifft Hightech. Nicht ungewöhnlich bei den Lemgoer Spezialisten.

Eduard Krecker hat hier seine Berufung gefunden. Zum Tischlerhandwerk ist der 26-Jährige über Umwege gekommen, zunächst hat er studiert. Aber von der Fachrichtung Holztechnik, die ihn schon von Rheda-Wiedenbrück nach Lemgo geführt hatte, war der Schritt in die Tischlerei nicht so weit. Eine Lehre in dem Bereich hatte er schon vorher mal ins Auge gefasst, und als er merkte, dass das Studium doch nicht das richtige war, ging es ganz schnell: „Ich habe mich sozusagen ,Last Minute‘ beworben“, erzählt der Azubi.

Mit dem Holz fängt es an: Für die Rekonstruktion der Tür muss es hochwertige Eiche sein.

Und er hat Glück gehabt, denn anders als andere Firmen hat die Tischlerei Kramp keinen Mangel an Bewerbern, im Gegenteil. „Wir haben im Schnitt jedes Jahr 50 bis 60 Bewerber für eine Ausbildung im Tischlerhandwerk pro Stelle“, sagt Dieter Nagel. Der Schwerpunkt im Bereich Restaurierung mache den Betrieb attraktiv. Zwei bis drei Azubi-Stellen gibt es jährlich. Wer sich bewährt, habe gute Chancen, übernommen zu werden.

Was erwartet ein Werkstattleiter von einem Lehrling? „Er oder sie muss Spaß dabei haben, gerne etwas herstellen wollen“, nennt Dieter Nagel eine Grundvoraussetzung. Die Azubis müssen sich intensiv mit ihren Werkstücken beschäftigen, da hier sehr individuell gearbeitet wird. Kein Fenster ist wie das andere – das macht es abwechslungsreich, aber auch komplex.

Der Aufriss: Eduard Krecker zeichnet die Ansicht der Tür 1:1 auf eine Holzplatte. Sie ist Plan und Schablone zugleich.

Deshalb sei es bei allem Handwerk auch wichtig, gut in der Schule zu sein. Denn sie müssen ihre Arbeit später selbst planen, komplizierte Geräte wie die CNC-gesteuerte Tischfräse programmieren und sollten von dem hochwertigen und entsprechend teuren Eichenholz natürlich möglichst nichts verschneiden. „Wer zeigt, dass er kann und will, bekommt bei uns auch Verantwortung“, betont Dieter Nagel.

Wie Eduard Krecker mit der Rekonstruktion seiner Tür. Vom ersten Aufriss bis zur letzten Leiste, die später das Regenwasser vom Holz wegleiten soll, macht er alles selbst. Seit vier Wochen arbeitet er an seinem Projekt, mit kleinen Unterbrechungen, wenn andere Pflichten oder die Schule rufen. „Etwas länger braucht man als Lehrling dazu schon“, räumt er ein. Aber dafür ist das Projekt eine gute Vorbereitung auf sein Gesellenstück, das in nicht so ferner Zukunft ansteht. Eduard Krecker plant einen Barschrank zu bauen, aus einer alten Hobelbank.

Auf Lager: Historische Beschläge und Riegel werden aufgehoben, restauriert und wiederverwendet.

Nach dem Abschluss zum Tischlergesellen bieten sich jungen Tischlern viele Weiterbildungsmöglichkeiten: zum Techniker, Meister oder später zum Restaurator im Tischlerhandwerk. Das Interesse an Fort- und Weiterbildungen wird gerne gesehen und von Seiten der Firma Kramp stark unterstützt und gefördert. Und nicht nur das: „Diese Fähigkeiten, die man hier lernt, kann man immer gebrauchen“, hat Eduard Krecker schon festgestellt.

Aber Lehrjahre sind keine Herrenjahre – und so gehört auch in Lieme das wenig beliebte Fegen der Werkstatt am Feierabend zu den Aufgaben der Lehrlinge. Insgesamt sei aber der Umgang mit dem Nachwuchs heute ganz anders als früher, die jungen Mitarbeiter seien geschätzte Kollegen, betont Dieter Nagel. Lehrling Eduard Krecker fühlt sich deshalb auch wohl in der Werkstatt in Lieme und blickt voller Stolz auf „seine“ Tür.

Auch moderne Maschinen kommen zum Einsatz, wie hier eine CNC-gesteuerte Tischfräse. Dafür hat Eduard Krecker zwei spezielle Lehrgänge absolviert.
Stolz: Eduard Krecker und sein Projekt.

 

Tischlerlehre bei G. Kramp GmbH & Co. KG

In der Tischlerei gibt es derzeit acht Tischler-Lehrlinge, insgesamt arbeiten 61 Handwerker in den Räumen und auf den Baustellen des Liemer Altbauspezialisten. Bedingung ist neben der persönlichen Eignung und akzeptablen Schulnoten mindestens eine Woche Praktikum vor der eigentlichen Lehre. Außer der Unterweisung im Betrieb gehört Berufsschule ebenso dazu wie überbetriebliche Ausbildungen, etwa Kurse für Maschinenscheine. Da sowohl mit historischen traditionellen handwerklichen Methoden als auch mit modernen Maschinen gearbeitet wird, sind Geschick und technisches Verständnis gleichermaßen erforderlich. Außerdem wird Montagebereitschaft vorausgesetzt, da die Auszubildenden auf den bundesweiten Baustellen mit tätig sind. Dafür bekommen fortgeschrittene Azubis eigene Projekte, an denen sie - mit entsprechender Belgeitung - selbständig arbeiten. Der Liemer Altbauspezialist bildet zudem im Maler- und Maurerhandwerk aus.

Weitere Informationen bei Claudia Schröer, Tel. 05261-9688149 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

Unabhängigen Journalismus gibt es nicht umsonst.

Unterstützen Sie uns mit einem Abo oder einer Spende.