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Der Kreis Lippe will in Lemgo Anwendungsmöglichkeiten für den neuen Mobilfunk-Standard testen. Der BUND warnt vor Risiken.

Lippe ist eine von fünfzig Modellregionen, die erfolgreich am „5G Innovationswettbewerb im Rahmen der 5x5G-Strategie“ der Bundesregierung teilgenommen haben und nun bis zu 100.000 Euro erhalten. Standort des Projektes ist hauptsächlich Lemgo.

Auf dem Campus, in den Räumen einer Partnerfirma und in einer Region nördlich von Lemgo sollen kleine, begrenzte 5G-Netzte entstehen, um verschiedene Anwendungsszenarien für den neuen Mobilfunk-Standard durchzuspielen: Vernetzung der Abläufe innerhalb eines Unternehmens, im wissenschaftlichen Bereich und im ländlichen Raum. Dafür werden drei bis vier Sendemasten entstehen – mögliche Standorte sind laut einer Pressemitteilung des Kreises Lippe  unter anderem das Feuerwehr-Ausbildungszentrum in Lemgo, da der Bevölkerungsschutz ein Projektpartner ist, und ein Gewerbegebiet.

Ein Anwendungsgebiet, das getestet werden soll, ist „Smart Farming“ – die Vernetzung von landwirtschaftlichen Produktionsprozessen. Auf dem Innovation Campus Lemgo soll die gemeinsame Infrastruktur sowohl für private als auch für öffentliche Einrichtungen, wie die Technische Hochschule OWL, die Berufskollegs des Kreises, und das Sport- und Kongresszentrum in der Phoenix Contact-Arena ausgebaut werden. Beteiligt ist auch das Fraunhofer IOSB-INA unter der Leitung von Professor Jürgen Jasperneite: „Statt in Laborsituationen 5G-Netze zu simulieren, können wir wissenschaftliches Arbeiten auch noch außerhalb unserer Räumlichkeiten verlagern und die Infrastruktur nutzen.“

Es geht um bis zu 2 Millionen Euro

Die genauen Anwendungsbeispiele, die mit der Technik in Lemgo erprobt werden sollen, werden nun im zweiten Schritt des Projektes ausgearbeitet. Dafür hat der Kreis Lippe bis zu 100.000 Euro Förderung zugesprochen bekommen – als einziger Bewerber in OWL.

Wenn die weitere Planung ebenfalls überzeugt, hoffen die Beteiligten auf eine weitere Förderung von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Denn schon ein einzelner Sendemast kostet 200.000 Euro. „Wir sind da ganz zuversichtlich“, sagt Dr. Stefan Ostrau, Digitalisierungsverantwortlicher beim Kreis Lippe und maßgeblicher Initiator des Förderantrages, über die Chancen, das Projekt am Ende wirklich umsetzen zu können.

Chancen und Risiken

Erste Reaktionen sind teilweise besorgt, teilweise hoffnungsvoll angesichts der noch immer lückenhaften Internet-Versorgung besonders in den Ortsteilen Lemgos. Aber hier bringt dieses Projekt jetzt nicht direkt etwas für Endanwender, dämpft Stefan Ostrau die Erwartungen – die 5G-Netze für dieses Projekt seien räumlich begrenzt, ein Sendemast habe eine Reichweite von etwa 2 Kilometern. Mittelfristig könnte aber das Projekt durchaus das Stopfen der Funklöcher voranbringen.

Während die einen hoffen, fürchten andere gesundheitliche Risiken. Der BUND Lippe fordert auf seiner Homepage hinsichtlich des Projekts einen „Unbedenklichkeitsnachweis von 5G vor der Einführung und eine Technikfolgenabschätzung durch eine industrie- und regierungsunabhängige Kommission“. Die WHO stufe Mobilfunk als „möglicherweise krebserregend“ ein, bisherige Forschungen beschränkten sich auf kurzzeitige Einwirkungen. Zudem verbrauche der neue Standard viel Energie und Ressourcen. „Wir wollen Transparenz, Aufklärung, Bürgerbeteiligung und Mitsprachrechte bei der Bestimmung der Standorte für die neuen Sendemasten“, heißt es weiter.

Stefan Ostrau erklärt auf Nachfrage, dass Forschungen zur Risiko-Abschätzung beim Umweltministerium laufen. „Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die elektromagnetischen Felder nicht gesundheitsschädlich." Mögliche Risiken würden keineswegs ignoriert, sondern intensiv untersucht. Zudem gebe es Grenzwerte. "Und 3G und 4G haben wir ja schon", verweist Stefan Ostrau auf bisherige Erfahrungen mit Mobilfunk.

 


Der BUND Lippe lädt zu diesem Thema zu einem Vortrag am Mittwoch, 29. Januar, um 19 Uhr im Gemeindesaal der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost, Marktplatz 6 in Detmold ein. Weitere Informationen hier.

 

Informationen des Umweltministeriums zu 5G

 

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