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Expertin zeigt beim CIIT-Techtalk auf, warum der DZ für die Zukunft unabdingbar ist.

 

Der Digitale Zwilling als Begriff ist mittlerweile im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Doch ist er nur ein Marketing-Buzzword, oder hält er, was er verspricht? Im Jahr 2018 stand er im sogenannten Gartner Hyper Cycle, welcher die Phasen der öffentlichen Aufmerksamkeit einer neuen Technologie bei deren Einführung darstellt, auf der Kurve ganz oben. Ganz oben bedeutet aber nicht positive, sondern eine überzogenene Aufmerksamkeit, die übertriebenen Enthusiasmus und unrealistische Erwartungen hervorruft. In den vergangenen drei Jahren, hat sich diese Einschätzung ins Positive gedreht. „Der Digitale Zwilling ist ein Top-Thema in den verschiedensten Branchen. Wir befinden uns aber immer noch auf einem Weg der Reife. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber wir sind mittlerweile in der Lage, sehr viel mit dem Digitalen Zwilling umzusetzen“, erklärt die Expertin Dr. Birgit Boss.

Frau Dr. Birgit Boss von der Robert Bosch GmbH sprach beim vergangenen CIIT-Techtalk über das Aufmerksamkeit erregende Thema. Warum ist der Digitale Zwilling überhaupt so wichtig und nützlich? Warum Standards und warum Open Source? Was ist das Interesse eines Unternehmens, an Standards zu arbeiten? Wie sieht die Zukunft aus? Diese und weitere Fragen griff Dr. Boss beim CIIT-Techtalk auf, welcher von rund 70 Teilnehmenden besucht wurde.
Einmal im Monat bietet das Lemgoer Forschungs- und Entwicklungscenter CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT) das digitale Format an, um mit Experten die verschiedensten Themen aus dem Bereich der Digitalisierung zu beleuchten und gemeinsam in Dikussion zu gehen.

Standardisierung sorgt für Interoperabilität

Mit dem Digitalen Zwilling in die Zukunft, so lautete der Vortragstitel. Für Frau Dr. Boss ist dies ein unabdingbarer Weg: „Semantische Interoperabilität, Standardisierung und Open Source werden dabei aus meiner Sicht eine wesentliche Rolle spielen. Nur so können wir erfolgreiche Ökosysteme zusammen aufbauen“. Viele Unternehmen sind dabei, den Digitalen Zwilling lebendig werden zu lassen. Es geht dabei darum, Daten als Enabler für Anwendungen wie autonome oder intelligente Systeme zu nutzen. Dabei gehe es nicht darum, ein Ding so genau wie möglich zu beschreiben, sondern darum, dass man die Daten modelliert, die man auch genau für seine Geschäftsmodelle und Use Cases benötigt. Die Daten sind in Zukunft das wichtigste Gut.

Produkte, Maschinen und Prozesse sind digital beschrieben und können sich über ihr virtuelles Abbild intelligent vernetzen. Der Begriff Digitaler Zwilling transportiert die Idee gut, greift aber vor allem in der globalen Umsetzung nicht weit genug. Daher hat die Plattform Industrie 4.0 die Bezeichnung Verwaltungsschale definiert, die ein exaktes und weltweit gleiches Verständnis ermöglicht. Frau Dr. Birgit Boss leitet in der Plattform Industrie 4.0 genau diese Unterarbeitsgruppe „Verwaltungsschale“ der Arbeitsgruppe „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“. „Die Verwaltungsschale ist auf dem Weg, zu einem internationalen Standard zu werden. Das besondere an ihr ist, dass sie ein Produkt, eine Maschine oder ein Gerät über den ganzen Lebenszyklus hinweg begleitet. Sie dient als Schnittstelle zwischen Komponenten wie Sensoren und Aktoren und der Industrie 4.0-Welt“, erklärt Boss.

IDTA treibt internationale Nutzung des DZ voran
Der Digitale Zwilling gewinnt also eine immer größere Bedeutung für die Industrie, und zwar für alle Anwendungen und Branchen. Auch die kürzlich erfolgte Gründung der Industrial Digital Twin Association (IDTA), einer Nutzerorganisation mit internationaler Ausrichtung für den Digitalen Zwilling in der Industrie 4.0, zeigt die Relevanz des Themas. Zu den Gründungsmitgliedern gehören namhafte Unternehmen wie Siemens oder Volkswagen und auch die CIIT-Mitglieder Bosch Rexroth und Phoenix Contact sind von Beginn an dabei. „Wir freuen uns, dass sich unsere Partner für die Entwicklung des Digitalen Zwillings einsetzen, denn dies ist ein Thema, welches wir gemeinsam im CIIT vorantreiben möchten. Die Digitalisierung komplexer Fertigungsprozesse sichert unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Basis dafür ist der Digitale Zwilling. “, sagt Anja Moldehn, Geschäftsführerin des CIIT.

Mit ihrem Vortrag konnte Frau Boss zeigen, dass Digitale Zwilling ganz und gar nicht nur ein Schlagwort oder ein Hype sind. Sie sind die Basis für autonome Systeme und der Künstlichen Intelligenz. Wichtig dabei ist es, den kompletten Lebenszyklus der Maschine zu betrachten und die Daten mit Security-Konzepten abzusichern.

Wer den Vortrag von Frau Dr. Boss verpasst hat, kann sich ihn ab sofort auf dem CIIT-Youtube Channel anschauen. Außerdem ist die nächste Ausgabe des CIIT-Techtalks bereits für den 21. Mai terminiert. Hier wird Florian Gellert vom Fraunhofer IOSB-INA darauf eingehen, wie man datengetriebene Geschäftsmodelle ohne direkten Datenzugriff entwickeln kann und wie föderale Methoden dabei helfen.

Quelle: Jana Suton, Geschäftsstelle CIIT

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