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Nach den beiden Bränden in Wiembeck und Voßheide geht die Polizei von Brandstiftung aus. Bei Landwirten ist die Sorge groß.

Die Stimmung ist angespannt in den Dörfern in Lemgos Süden. An diesem Wochenende hat die Idylle in Voßheide und Wiembeck ihre Unschuld verloren. Denn auch die Polizei bestätigt: In der Nacht von Samstag auf Sonntag waren hier ein Brandstifter unterwegs. Dass durch Zufall kurz hintereinander zwei landwirtschaftliche Gebäude abgebrannt sind, daran glaubt niemand.

Deswegen waren an der zweiten Brandstelle in Wiembeck sehr viele Polizisten, die sich schon während der Löscharbeiten umsahen. Ein Polizeihubschrauber flog noch in der Nacht über Wiesen, Wälder und Bauernhöfe, per Wärmebildkamera auf der Suche nach dem Täter. Polizeibeamte klingelten mitten in der Nacht an Türen, warnten Hofbesitzer – die meistens ohnehin längst wach waren – und fragten nach verdächtigen Beobachtungen. Bisher Erfolglos.

Die Feuer sind gelöscht, die Feuerwehr ist abgerückt, die Angst bleibt. Landwirte fürchten um ihre Futtervorräte, ihre Gebäude, ihre Tiere und um ihr Leben. Denn in den beiden Fällen nahm der Täter auf nichts davon Rücksicht.

Ein Kalb ist tot, eine Fachwerkscheune zerstört

Das erste Gebäude, das gegen 22 Uhr am Maßbrucher Weg angesteckt wurde, war ein Kuhstall. Das Feuer war in einem Strohlager unter einem Vordach ausgebrochen und griff auf den Stall über. Dass hier Tiere in Gefahr waren, muss dem Täter bewusst gewesen sein – standen doch Kälberboxen direkt neben dem Stroh. Ein Kalb hat den Brand nicht überlebt, ein weiteres wurde verletzt, berichtet die Polizei. Entgegen ersten Berichten konnte es aber behandelt werden. Rund 80 Kühe und Kälber wurden gerettet. Das noch ganz neue Stallgebäude wurde beschädigt.

Weitgehend zerstört ist die große alte Scheune, die nur zweieinhalb Stunden später im Nachbardorf Wiembeck auf einem historischen Fachwerkhof brannte. Auch hier lagerte in einem offenen Teil des Gebäudes Heu und Stroh. Außerdem waren darin landwirtschaftliche Fahrzeuge untergebracht und ein Dieseltank, der während des Brandes explodierte. Zum Glück wurde niemand verletzt, und auch die beiden Pferde, die in Boxen in dem Gebäude standen, konnten unversehrt in Sicherheit gebracht werden. In beiden Fällen entstand laut Polizei ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich.

Von der großen Scheune ist nichts geblieben als die Grundmauern und verkohlter Schutt - und Reste des Strohs, das hier gelagert wurde.

Aber das hätte anders ausgehen können. Es war Glück, dass die Bewohner des Wohnhauses, nur wenige Meter von der Scheune entfernt, rechtzeitig wach wurden. Die Feuerwehr hat es so gerade noch geschafft, ein Übergreifen der Flammen auf das Haus zu verhindern. Trotzdem mussten die Bewohner die Nacht in einem anderen Wohngebäude des Hofes verbringen. Die Nähe der Scheune zu dem bewohnten Haus könnte für den Täter, sollte er gefasst werden, eine mehrjährige Gefängnisstrafe bedeuten, denn hier waren Menschenleben in Gefahr.

Die Sorge befeuert Spekulationen. Mancher zieht Parallelen zu den brennenden Strohballen in Lieme vor etwa drei Wochen. „Das hat damit nichts zu tun“, sagt Polizeisprecher Lars Ridderbusch. In diesem Fall sei die Brandursache längst geklärt, es habe sich nicht um vorsätzliche Brandstiftung gehandelt. Auch ein weiteres Feuer am Samstag gegen Mittag in Detmold-Diestelbruch, bei dem ein Schuppen brannte, hat nichts mit den Fällen in Lemgo zu tun. Der Brand war durch das Abflammen von Unkraut ausgelöst worden.

Die Polizei rät zur Wachsamkeit

Am heutigen Montag haben die Untersuchungen der beiden Brandorte begonnen. Spuren zu finden sei nach einem Großbrand sehr schwierig, berichtet Lars Ridderbusch. Das Feuer selbst, aber auch das Löschwasser und die vielen Personen und Fahrzeuge, die sich am Tatort bewegt haben, erschweren die Ermittlungen.

Umso wichtiger sind Hinweise. Und die müssen sich nicht auf die Tatnacht beschränken: Falls der Täter nicht aus dem näheren Umfeld kommt und sich auskennt, wäre es möglich, dass er die Höfe zuvor ausgekundschaftet hat. Auch verdächtige Beobachtungen vor den Bränden könnten daher relevant sein – oder auch zukünftige, falls in der nächsten Zeit Fremde auf Höfen auftauchen und sich auffällig verhalten. Denn ob der Täter nach zwei Großbränden genug hat, kann niemand sagen, so lange er frei herumläuft.

Die Polizei wird jetzt in den Dörfern vermehrt Streife fahren. Anwohner und alle, die unterwegs sind, werden gebeten die Augen offenzuhalten. Im Zweifel wird darum gebeten die Polizei zu informieren. Alle Hinweise zu den Brandstiftungen werden vom Kriminalkommissariat in Detmold unter der Telefonnummer 05231 – 6090 entgegengenommen.

Mehr dazu: Zwei Brände auf Bauernhöfen: Feuerwehr rettet 80 Rinder

Zum Artikel in Leichter Sprache: Zwei Feuer in Lemgo

 

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