Offcanvas Info

Assign modules on offcanvas module position to make them visible in the sidebar.

A A A

Entwarnung gibt das Gesundheitsamt aber noch nicht. Weiterhin sind 52 Kinder und mehrere Erzieherinnen in Quarantäne.

Nach dem positiven Testergebnis bei einer Erzieherin der OGS war die Sorge groß. Insgesamt 60 Personen wurden von einem Team des Gesundheitsamtes daraufhin am Samstag auf Corona untersucht. Heute das Ergebnis: Alle sind negativ. Aber erst nach einem zweiten Test am kommenden Freitag gelten sie als Corona-frei.

Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Dr. Kerstin Ahaus, Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Lippe, lobten die gute Zusammenarbeit – und die Disziplin an den Lemgoer Schulen allgemein und an der Südschule im Besonderen. So sei das zunächst hoffnungsvoll stimmende Zwischenergebnis ein Zeichen, dass die Hygienemaßnahmen dort funktionieren.

Infektion ohne Symptome

Die betroffene Erzieherin hatte bei ihrem Hausarzt am Donnerstag, 28. August, einen präventiven Test durchführen lassen. Symptome hatte sie nicht. Als am folgenden Freitagmorgen das Ergebnis vorlag, sei sie „völlig erstaunt“ gewesen, berichtet Kerstin Ahaus. Sie ging nicht zur Arbeit, das Gesundheitsamt und die Schule wurden informiert.

Noch am Freitag wurden die Kontaktpersonen ermittelt – also alle Kinder, die in den vergangenen Tagen in der OGS mit der Betreuerin Kontakt hatten, Kolleginnen und Familienmitglieder. Am Ende waren es 60 Personen, die am Freitag direkt auf dem Schulgelände getestet wurden und in Quarantäne gingen. Am Montag erhielten sie die Ergebnisse.

Erst wenn auch der zweite Test am 4. September negativ ausfällt, wird die Quarantäne für die Kontaktpersonen aufgehoben, dann dürfen die Kinder wieder in die Schule. Bis dahin werden sie von den Lehrkräften der Südschule mit Aufgaben versorgt.

Eltern waren verunsichert

Unter den Eltern gab es große Verunsicherung durch den Fall, zumal zunächst außerhalb der Kontaktpersonen selbst niemand über die Testergebnisse informiert wurde. Diese Informationen hatte das Gesundheitsamt erst am heutigen Mittwochmittag freigegeben. Man wolle keine falsche Sicherheit signalisieren, war die Erklärung.

Eltern hatten wegen der unklaren Situation teilweise erwogen, die Kinder zu Hause zu behalten. Eine Entscheidung, die ihnen aber nicht überlassen war: Die Schulpflicht, so betont Kerstin Ahaus, sei nicht eingeschränkt gewesen. Und wenn durch ein positives Ergebnis weitere Kinder betroffen wären, würden die Familien sofort informiert. Keine Nachricht wäre demnach eine gute Nachricht.

Das Problem: Da nicht eine Klasse, sondern die OGS betroffen war, waren aus verschiedenen Klassen Kinder in Quarantäne. Schülerinnen und Schüler berichteten Eltern, dass ihre Freunde wegen Corona-Verdacht zu Hause seien. Umso dringender war der Wunsch der Familien nach genaueren Informationen. „Viele besorgte Eltern haben angerufen“, bestätigte Schulleiterin Christine Beermann.

Ansteckungsgefahr bleibt allgegenwärtig

Ein Grund zum Aufatmen seien die negativen Tests nicht, betonte Kerstin Ahaus, da man erst nach der zweiten Testung Gewissheit habe. Und der Fall zeige auch: Wirklich sicher sein könne man nie. „Es ist nicht vorbei“, bestätigte auch Christine Beermann, aber die Maßnahmen zeigten Wirkung.

Berichte, wonach Eltern aufgefordert worden waren, in der Quarantäne selbst Sechsjährige vom Rest der Familie zu isolieren, wies Kerstin Ahaus von sich. Dieser Hinweis stehe in den Regularien für die Quarantäne, da diese nicht nach Altersgruppen unterscheiden. So weit möglich sei es zwar wünschenswert, Kontakte auch innerhalb der Familie einzuschränken, aber das müsse dem Alter des Kindes und der Lebenssituation angepasst werden. Dass Kinder wegen solcher Vorgaben aus Familien geholt werden, wie es in Medien teilweise berichtet wurde, habe in Lippe niemand zu befürchten.

In einem Punkt waren sich alle einig: Dieser Fall zeige, dass jederzeit eine Ansteckung möglich ist, und dass auch scheinbar gesunde Menschen das Corona-Virus verbreiten können. Fünf aktive Infektionen sind in Lemgo derzeit nachgewiesen, 39 in ganz Lippe. Die positiv getestete Erzieherin hat bis heute keine Krankheitssymptome.

 

Kommentar

Bürger mit einbeziehen

Von Marlen Grote

In Sachen Infektionsschutz ist alles gut gelaufen, in Sachen Informationspolitik nicht. Aus Sicht der Betroffenen signalisiert das Gesundheitsamt ein Hoheitsdenken: Wir wissen, was gut für euch ist. Dabei sind wir in einer Situation, in der es auf alle ankommt. Da sollte man auch alle einbeziehen.

Nun mögen Bilder demonstrierender Verschwörungstheoretiker durchaus am Verstand der Masse zweifeln lassen. Aber das ist eine Minderheit. Die Lemgoer Eltern wünschten sich einfach eine realistische Einschätzung: Wie große ist das Risiko für die eigene Familie – und für alle, mit denen man jetzt noch in Kontakt kommt? Sind verschärfte Vorsichtsmaßnahmen auch für diejenigen sinnvoll, die nicht in Quarantäne sind? Man will ja nicht versehentlich das Virus verbreiten. Eigentlich ein guter Wunsch.

Er wurde nicht erfüllt. Aber wäre wirklich nach der Nachricht, dass die erste Testung negativ war, die große Sorglosigkeit ausgebrochen? Die Bitte, mindestens bis zum zweiten Test noch vorsichtig zu sein und darüber hinaus sowieso auch, die hätten die allermeisten der Familien sicher verstanden. Und dem Rest wäre es wohl so oder so egal.

Von Montag bis Mittwoch sickerten also die Testergebnisse nur über Kontakte der Eltern untereinander durch. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Behörden, egal wie gut deren Zusammenarbeit sonst funktioniert. Und wo das Vertrauen wackelt, profitieren am Ende höchstens die Verschwörungstheoretiker.

 

https://mein-lemgo.de/nachrichten/1279-neue-corona-faelle-grundschule-betroffen

Unabhängigen Journalismus gibt es nicht umsonst.

Unterstützen Sie uns mit einer Spende.