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Nach der Corona-Zwangspause öffnet auch die "LöffelBar" wieder. Hier kochen und servieren zwei Lemgoer Originale. Aber warum ausgerechnet Suppe?

Der Mann mit dem Messer in der Hand weint. Nicht, weil er traurig ist, wie er versichert. Eher aus Freude, wie er lachend gesteht. Es sind die vielen Zwiebeln, die er endlich wieder schnippeln darf. Die „LöffelBar“ in der Mittelstraße 67 von Roland „Bongo“ Alteheld öffnet pünktlich zur Suppenzeit im Herbst am morgigen Montag wieder ihre Türen.

Chefkoch und Manager Martin strahlt: „Endlich kann wieder gelöffelt werden“. Das bedeutet erst einmal: schnippeln, bis der Arzt kommt. An seiner Seite am Schneidebrett steht Teamkollegin Renate. Ebenso gut aufgelegt und voller Tatendrang an den Kartoffeln zugange, ist sie vom Geschäftsmodell der gemütlichen Suppen-Bar überzeugt.

Nach Umwegen zurück nach Lemgo

Die gebürtige Bräkerin arbeitete in den 1980er Jahren bereits für Bongo im „Frangipani“, dem Mekka für Tanzwütige. 1988 verschlug es sie mit „DJ Schnapper“ nach Gladbach. Nach 30 Jahren kehrte sie mit ihrer Bremer Liebe wieder zurück nach Lemgo. Ruhestand mit 64 Jahren kennt die sympathische Powerfrau nicht. „Ich wollte unter Leute und ich bin ein richtiger Suppenkasper. Burger und Pommes gibt es überall. So freue ich mich riesig, dass wir wieder öffnen und ich Suppen verkaufen darf, vor allem die von Martin. Ich liebe nicht nur seine Hühner- oder Hummersuppe“, schwärmt sie.

Dass der Martin Suppen und Eintöpfe kann, zeigt nicht nur seine beeindruckende Bio. Seine Kochleidenschaft begann er 1977 im Lippischen Hof in Detmold auszuleben. In mehr als vier Jahrzehnten durchlebte er dann so einige Epochen der Kochkunst von der Nouvelle Cuisine bis hin zur gut bürgerlichen Küche. Unter anderem kochte er jahrelang für Bongo im „Le Clou“.  „Ich habe von püriert bis grob alles durchgemacht“, bekennt er mit einem Lächeln und schiebt den Topf mit der Rinderbrühe auf den Herd.

Exotische Rezepte für lippische Gaumen angepasst

Dass er mal in einer Suppenküche landet, schmeckt dem 59-Jährigen so richtig gut. Bereits als einer der ersten Hausmänner in der Hansestadt brachte er mit Leidenschaft und Liebe die ein oder andere Suppe für seine Familie auf den Tisch. „Es gibt weit mehr als Erbsen- oder Linsensuppe“, sagt der gebürtige Sauerländer, der mit fünf Jahren in Lemgo seine Heimat fand und diese lediglich für zwei Jahre verließ, um in Hamburg seinen Betriebswirt für Hotel- und Gaststättenwesen zu machen. Bis zu 30 Liter Suppe und Eintopf (das sind die mit besonders viel Einlage) stehen ab sofort wöchentlich auf seinem Speiseplan. Will heißen: täglich eine Suppe und drei Eintöpfe, alles „bio“, regional und saisonal abgestimmt. Im Angebot sind aber auch Milchreis mit heißen Kirschen und/oder ein stetig wechselnder „Löffel-Salat“.

Neben der täglichen traditionellen, klassischen  Suppe hat sich der gelernte Koch auch durch die Rezepte internationaler Suppenspezialitäten gekocht. Mit Hilfe des Internets und mit Herzblut. „Bei den Indern muss man aufpassen. Sie kochen meist sehr scharf und das habe ich natürlich etwas abgewandelt, damit hier niemandem der Draht durch die Mütze geht“, weiß Martin.

Seine Tränen sind inzwischen getrocknet. Die Zwiebeln sind geschnitten. Nach zwei Tagen schnippeln verrät der Koch dann auch, was er am morgigen Montag alles aus den geschnippelten Produkten zusammen „bauen“ wird. Es gibt Kürbissuppe vegan, Rinderkraftbrühe, Erbsensuppe und sein allzeit beliebtes Chili Con Carne. Das Duo greift beherzt und voller Vorfreude zur Riesenkelle. Ab morgen kann endlich wieder gelöffelt werden, in Corona-Zeiten setzen die beiden dabei besonders auf den Außer-Haus-Verkauf. Alle Suppen und Eintöpfe gibt es zum Mitnehmen im kompostierbaren Pappbecher. Die Kunden haben aber auch die Möglichkeit, ihre eigenen Behältnisse mitzubringen.

Die „LöffelBar“ in der Mittelstraße 67 gegenüber der Stern-Apotheke hat montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

 

 

 

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