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Da schafft man es auf den Thron, und dann kommt Corona. Die amtierenden Lemgoer Schützenkönige tragen es mit Fassung und einer Portion Humor.

Sie sind absolut treffsicher und machen eine gute Figur, nicht nur am Schießstand: Daniel Becker, seit 2018 König der Schützengesellschaft Lemgo und Horst Korf, der beim Schützenfest 2019 in Brake die entscheidende Zehn schoss und damit den Thron bestieg.

Der Lemgoer König hat Humor. Das beweist er, als es um seinen Dresscode für das Foto geht. „Wir sind zwar unkomplizierter als die Frauen, haben aber einen Frack“, sagt er. Will heißen: Daniel Becker braucht knapp eine Stunde, inklusive Vorbereitungen wie die Westenflügel zusammen zu knöpfen, Hemd- und Manschettenknöpfe parat zu legen sowie die Weste inklusive Fliege durch die Hemdkragenschlaufe zu fädeln, um seine königliche Kleiderpflicht zu erfüllen. Dagegen sind selbst geschnürte Königinnenkleider wesentlich schneller angezogen. Wir einigen uns auf eine Marscherleichterung. Er kommt in Anzug mit weißer Mütze.

Den Frack hat er zum letzten Mal bei seinen bislang einzigen königlichen Auftritten bei den Schützenfesten in Brake und Bösingfeld getragen. Daniel Becker hat aber nicht nur Humor, sondern auch eine Menge positive Gelassenheit, wenn es um seine außergewöhnliche Amtszeit geht. „Ich bin zwei Jahre länger mit einer hübschen Königin dran und kann verstärkt an den Schießsportveranstaltungen teilnehmen“, bekennt der Geschäftsführer des Schießsportvereins der Lemgoer Schützengesellschaft.

Für die Zehn braucht man gute Nerven

Schießen ist seine Leidenschaft und den königlichen Treffer wollte der gebürtige Lemgoer schon länger setzen. Mit zwölf Jahren trat er in die Schützengesellschaft als aktiver Sportschütze ein. Seine Mama, liebevoll „Queen Mom“ genannt, wird 2000 Königin, seine Frau Iris 2010. Aber so ein Königsschießen ist eben kein Spaziergang. Der 48-Jährige bekennt: „Ich war immer zu nervös“. Den Volltreffer mit einer guten Zehn landete er schließlich 2018. Im zweiten und letzten Schuss aus 50 Metern und einer Neun im ersten Schuss. „Für mich war es immer klar, wenn ich es schaffe, mache ich es gerne“, strahlt der Schütze aus der vierten Kompanie.

Das gerne machen spürt man auch bei Horst Korf. Der eingefleischte Bräker aus der fünften Kompanie traf 2019 gleich zwei Mal in die Zehn. Er scheint die Ruhe selbst zu sein. Vielleicht liegt es am etwas einfacheren Braker Dresscode. Dort trägt der König nämlich „nur“ einen schwarzen Anzug. Davon hat Horst Korf gleich drei in seinem Schrank und verrät mit einem Lächeln: „Die drei Garnituren brauche ich beim Schützenfest wegen des Schwitzens, nicht wegen des Regens.“

Ob er mit 80 Jahren, drei Enkelkindern und drei Urenkeln der älteste König in der Geschichte des Braker Schützengemeinschaft ist, weiß er nicht. Was er weiß: „Den wahren Volltreffer habe ich gelandet, weil meine Familie hinter mir steht und meine Königin und der Thron passt.“ Die richtige Königin hat er in Karin Falke offensichtlich gefunden, auch wenn die royalen Verpflichtungen bislang auf der Strecke geblieben sind und er seit dem Königsschießen keinen Auftritt mehr hatte.

In der Krise halten die Lemgoer Schützen alle zusammen

1957 trat Horst Korf in die Schützengemeinschaft ein. Seit 1998 ist er aktiver Sportschütze. Schießen geht glücklicherweise (fast) immer und das freut offensichtlich beide Könige. Daniel Becker sieht seine verlängerte Amtszeit als neue Chance, nochmal den begehrten Kreiskönig-Titel zu erschießen. Horst Korf ebenso, was er schlagfertig mit folgenden Worten zum Ausdruck bringt: „Warte mal ab. Ich fahre da auch hin.“

Aber nicht nur die Leidenschaft für den Schießsport und ihren Humor teilen sich die beiden sympathischen Könige. Die amtierende Lemgoer Königin Franziska Sauerländer saß als Kind bereits auf dem Schoss ihres jetzigen Königs. Und aufgepasst, auch auf dem von Horst Korf.

Trotz der Konkurrenz am Schießstand und des unterschiedlichen Dresscodes scheinen sich Schützengemeinschaft und Schützengesellschaft bestens zu verstehen. Das zeigt auch ein Blick in die Zukunft: Falls das Schützenfest in Brake im  kommenden Jahr abgesagt werden muss, sollte es ebenso um zwei Jahre verschoben werden. Darin sind sich Ihre Majestäten aus Lemgo und Brake einig: „Zwei große Feste in einem Jahr machen keinen Sinn.“

 

Und so ergeht es den Schützenköniginnen: Königinnen in der Pandemie

 

                  

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