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Die Fraktion „einfach Lemgo“ hat sich mit einem jungen, weiblichen Vorstand neu gegründet. Sie wollen mehr Bürgerwillen im Rathaus.

Neuer Name, neues Programm – aber hinter dem Wandel von „Gemeinsam für Lemgo“ zu „einfach Lemgo“ steckt mehr. Die „alte“ Führungsriege überlässt neuen Mitgliedern das Feld, hält sich beratend im Hintergrund. „Die Linke“ tritt jetzt wieder allein an. Der Geist der „Piraten“, die mit der "Linken" einst die Gemeinschafts-Fraktion bildeten, weht noch ein bisschen durch das Wahlprogramm, das ganz ökologisch auf Graspapier gedruckt ist und nur eine Din A4-Seite braucht.

„Wir wollten es simpel und eindeutig halten“, erklärt Vorsitzende Jessica Schrader, Studentin der Technischen Hochschule, die knappen Formulierungen. In der Politik werde zu viel verkompliziert, diese unnötige Hemmschwelle wolle „einfach Lemgo“ abbauen.

Ihre Aktivitäten und Pläne sind in sechs Handlungsfelder eingeteilt, und die Mitglieder können sich davon aussuchen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen. Schließlich könne nicht jeder alles, und auch die Ausschüsse arbeiteten ja im Rat nach Themen. Vorbild sind auch die Lemgoer Stadtziele.

Bürgerbeteiligung per App

Eine parteipolitische Richtung gibt es nicht, es geht nur um Lemgo, betont die engagierte Truppe. Und deswegen sollen die Bürger mit einbezogen werden – unter anderem durch neue digitale Möglichkeiten, etwa eine Stadt-Beteiligungs-App. So sollen die Lemgoer auch mehr davon mitbekommen, was im Rathaus so passiert.

Vorbild für die Bürgerbeteiligung ist ein Stück weit das Jugendforum, das digital ergänzt werden soll – und solche Möglichkeiten soll es für alle Lemgoer geben.

Für das neue Team steht die Verbindung zwischen Hochschule und Stadt ganz oben auf der To-do-Liste. Dafür hatte die Wählergemeinschaft für die Scheune am Lippegarten, die zwischenzeitlich als Markthalle diskutiert wurde, bereits eigene Vorschläge: Als Kulturscheune sollen hier Lemgoer Ausstellungen oder Aufführungen gestalten können, gerade auch Studierende der Hochschule. Außerhalb solcher Events könnte der Raum ein Veranstaltungsort und Treffpunkt unter anderem für die Studierenden sein, die ja mit den Um- und Neubauten am Campus ihre Asta-Räume verlieren.

Klimaschutz-Konzepte für die Ortsteile

Aber „einfach Lemgo“ hat auch andere Themen im Blick. Familien sollen durch einen höheren Freibetrag bei den Kita-Gebühren entlastet werden. Im Klimaschutz sei Luft nach oben, da soll Lemgo auch durch kleine Maßnahmen vorankommen: etwa „Balkon-Kraftwerke“ aus Solarzellen und Konzepte für Ortsteile, die beim Lemgoer Klima-Kernprojekt, der Fernwärme, außen vor bleiben. Hilfestellung für Bürger, wie sie ihren Alltag in Lemgo nachhaltiger gestalten können, gehört auch dazu. Und Tierschutz: Eine Hundewiese steht auf der Wunschliste und eine angemessene Unterstützung für das Tierheim in Vlotho, das für Lemgo zuständig ist.

In Sachen Digitalisierung ist „einfach Lemgo“ in seinem Element. Dazu gehört nicht nur der Breitbandausbau: „Schnelles Internet lohnt sich nur mit guten Inhalten“, betont Christian Woelk, schon seit „Piraten“-Zeiten mit dabei. Medienbildung für alle Generationen soll die Stadt fördern, von einer passenden Schulcloud bis zur Telemedizin.

Für die Kultur wünscht sich das Team von „einfach Lemgo“ mehr Vielfalt: Streetart und ein Markt für alternative Kunst, damit auch das, was junge Leute schaffen und tun, sichtbar wird. Und auch im Bereich „Wohnen“ haben sie eine klare Vorstellung: Mehr günstigen, sozial geförderten Wohnraum, nicht nur für Studierende. „Die kommende Rentner-Generation hat es nicht mehr so üppig“, weist Fritz Steinke auf zukünftige Herausforderungen. Außerdem gilt auch beim Bauen: Bitte ökologisch und ressourcenschonend.

Startups im Blick der Wirtschaftspolitik

Und auch in der Wirtschaftspolitik denkt „einfach Lemgo“ viel von der Hochschule aus. Dort gebe es ein großes Potenzial insbesondere durch Startups, die es in der Stadt zu halten gelte. Statt großer Firmengebäude würden hier eher Coworking-Angebote gebraucht und von städtischer Seite Vermittler, die Gründern helfen, entsprechende Netzwerke aufzubauen.

Im Rat möchte „einfach Lemgo“ mehr nach Kompromissen und alternativen Lösungen suchen, wenn sich die Parteien zwischen zwei Sichtweisen festgefahren haben. Auch da könne es helfen, diejenigen zu fragen, die es am Ende betrifft: die Bürger. Ganz einfach.

 

Den Wahlprogramm-Flyer gibt es auch online.

 

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