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Drei Bewerber treten zur Wahl als Lemgoer Bürgermeister oder Bürgermeisterin an. "Mein Lemgo" stellt sie in Interviews vor.

Markus Baier, Katharina Kleine Vennekate und Arne Brand: Sie wollen in den "Chefsessel" im Rathaus. Wer das Rennen macht entscheiden die Wähler. "Mein Lemgo" hat mit allen drei Kandidaten gesprochen: Wie sehen sie Lemgo jetzt, was wollen sie verbessern? Wie tief sitzt der Corona-Schreck, und wie kommt Lemgo aus der Krise? Wie bewerten sie die immer kompliziertere politische Entwicklung, die sich auch auf lokaler Ebene abzeichnet? Auf diese Fragen haben alle Bewerber geantwortet. Dazu gab es für jeden noch zwei Fragen, die ihn oder sie persönlich betreffen.

Arne Brand ist der Kandidat der SPD. Aus Lemgo verschlug es ihn nach Hannover und Frankfurt, jetzt will er sich in der alten Heimat einbringen. Ihm geht es um die Menschen  – und um den Stadtwald.

 

Was läuft gut in Lemgo?

Arne Brand: Lemgo ist in puncto Digitalisierung die am weitesten entwickelte Stadt in Lippe, unter anderem dank der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut und dem Projektbüro Lemgo Digital. Es gibt hier trotzdem noch Luft nach oben, zum Beispiel könnten wir viele der Daten besser nutzen.

Dann ist da natürlich die reizvolle Innenstadt, wie ich finde, eine der schönsten in Lippe. Nicht nur die Einkaufsstraßen selber, auch die Struktur innerhalb des Walls ist sehr reizvoll. Der Stadtbus kann als nächstes genannt werden, der funktioniert gut. Heute wäre es nicht mehr so einfach einen solchen Stadtbus einzurichten. Dennoch müssen wir auch hier mit der Zeit gehen und dringend den demografischen Wandel berücksichtigen. Das heißt zum Beispiel, die digitalen Möglichkeiten nutzen, um Bedarfsverkehr außerhalb der Stoßzeiten oder zu nicht gut versorgten Ortsteilen möglich zu machen.

Wo wir schon bei der nächsten Frage wären: Was würden Sie gerne verbessern?

Arne Brand: Lemgo soll mit meiner Unterstützung die familienfreundlichste Stadt in Lippe werden, das umfasst für mich Menschen jeglichen Alters und nicht nur die klassisch Familie. Insgesamt ist eine städtische Infrastruktur für alle hier Lebenden notwendig, eine menschenfreundliche Stadt also. Stichwort "Menschen statt Steine": Wir brauchen nicht nur eine schöne Innenstadt, es muss auch um die Lemgoerinnen und Lemgoer gehen in der Kernstadt und den Ortsteilen. Ich denke, dass es im gesamten sozialen Bereich in Lemgo einiges für uns zu tun gibt. Das fängt etwa bei der Ausstattung von Schulen und Kindergärten an. Corona hat uns gezeigt, was da noch an Aufgaben auf uns wartet. Digitalisierung gab es bisher nur mit angezogener Handbremse.

Da ist ja jetzt genug Geld da, das Land gibt ja einiges dazu.

Arne Brand: Ja, und das ist sicherlich nicht Sache der Stadt alleine. Dennoch: das schnellste WLAN und die neusten Endgeräte bringen nichts, wenn die entsprechenden Konzepte fehlen. Corona zeigt uns aktuell deutlich, wie groß die Spannbreite da noch ist. Als Bürgermeister werde ich einen Digitalbeirat einrichten, der die Vorgänge koordiniert.

Wo sehen Sie sonst noch „Baustellen“?

Arne Brand: Lemgo braucht dringend einen Verkehrsentwicklungsplan. Wenn man nachmittags durch die Pagenhelle oder die Gosebrede fährt, merkt man das. In einer ländlichen Region wird nicht in ein paar Jahren das Auto abgeschafft. Doch gerade deshalb brauchen einen gelungenen Mix aus Nahverkehr, Fahrrad und Auto – auch unserer liebens- und schützenswerten Umwelt wegen.

Womit wir beim Klimaschutz sind.

Arne Brand: Da liegt mir der Stadtwald am Herzen. Der ist eigentlich wunderschön, gut, dass Lemgo einen so großen Wald hat. Der muss allerdings aufgrund der Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer wieder aufgeforstet werden. Diese Aufforstung muss mit verschiedenen Baumarten erfolgen, damit der neue Wald widerstandsfähiger wird. Ich wünsche mir, einen Teil als Bürgerwald zu gestalten. Zum Beispiel mit Baum-Patenschaften, das stärkt die Bindung der Lemgoerinnen  und Lemgoer zu ihrem Wald.

Das Klimaschutzkonzept der Stadtwerke finde ich gut, aber es wird noch längst nicht alles umgesetzt. Wir brauchen einen Klimaschutzmanager, der sich um dieses Thema mit seinem ganz enormen Stellenwert intensiv kümmert. Das ist die Herausforderung für die Zukunft. Wir werden in Lemgo den Klimawandel nicht alleine aufhalten können, wir können aber hier vor Ort etwas dazu beitragen.

Und was wollen Sie konkret für die Lemgoerinnen und Lemgoer tun? Sie sagten „Menschen statt Steine“. Haben Sie ein Beispiel?

Arne Brand: Lemgo, das ist die Summe der Innenstadt und der liebenswerten Ortsteile.  Sollen die alle lebendig und attraktiv bleiben, braucht es Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und einen bedarfsgerechten ÖPNV. Da werde ich die Ansiedlung junger Ärztinnen und Ärzte aktiv unterstützen. Wir können Räume vermitteln oder spezielle, günstige Darlehen unter bestimmten Bedingungen anbieten. Ich bin davon überzeugt, dass das mit den richtigen Anreizen klappen kann.

Außerdem braucht jeder Ortsteil einen Treffpunkt, der ist wichtig für die Gemeinschaft. Wenn ein Ort dafür da ist, kommen die Aktivitäten quasi von allein, vom Dorffest bis zur Strickgruppe. Da müssen natürlich passende Lösungen für jeden einzelnen Ortsteil gefunden werden.

Als Sie Ihre Kandidatur bekanntgegeben haben, war die Welt noch in Ordnung. Jetzt bewerben Sie sich um das Amt mitten in der Krise. Schreckt das nicht ab?

Arne Brand: Corona ist schon erschreckend, sicher. Wenn man ein Wahlprogramms zusammenstellt, steht ja auch immer die Frage „Wie setze ich das um?“ im Mittelpunkt. Die Haushaltslage ist jetzt eine ganz andere. Alles muss auf den Prüfstand. Die lippische Stärke, das Sparen, wird wohl wieder wichtiger... Es gibt kein Patentrezept, und die Städte und Gemeinden werden das nicht alleine schaffen. Das ist eine Herausforderung, so groß wie es seit Jahrzehnten keine mehr gab.

Aber was tun?

Arne Brand: Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Ich denke, dass die guten Netzwerke in ganz Lippe uns helfen werden. Die Strategie für die nächsten fünf bis acht Jahre wird sein, den Haushalt zu stabilisieren, damit wir wieder Handlungsfreiheit erhalten. Wir schaffen das, aber das wird kein Zuckerschlecken. Die Stadt Lemgo hat ihre Hausaufgaben allerdings in der letzten Zeit gemacht. Wir haben es ja schon einmal raus aus den roten Zahlen geschafft. Diese Tugenden – das ist wirklich gut - die sind bereits eingeübt. Die werden wir in naher Zukunft noch brauchen.

Also Sparkurs?

Arne Brand: Die Devise ist grundsätzlich: Einnahmen rauf, Ausgaben runter. Aber einfach Steuern erhöhen, sind das die richtigen Schrauben, an denen wir drehen müssen? Wir müssen das wirtschaftliche Rad ja erst einmal wieder in Schwung bringen. Deswegen darf bei den Investitionen nicht auf die Bremse getreten werden. Es muss antizyklisch gedacht und gehandelt werden, aber: sinnvoll und wertsteigernd für die Stadt investieren und Unternehmen vor Ort davon profitieren lassen, das hilft der Wirtschaft, das hilft den Lemgoerinnen und Lemgoern. Die Krise macht es uns nicht gerade leichter, doch den Kopf in den Sand stecken war noch nie eine hilfreiche Strategie. Da knirschen hinterher nur die Zähne. Wie sagte Heinrich Drake dereinst: „Bekakelt nicht die Lage, pflanzt Kartoffeln“.

Die Arbeit in der Politik wird ja auch nicht einfacher. Viele neue, teils umstrittene Gruppierungen wollen in den Rat. Wie würden Sie damit umgehen?

Arne Brand: Auf kommunaler Ebene ist es wichtig, parteiübergreifend zu arbeiten – mit allen demokratischen Parteien, nicht mit allen Parteien. Wenn Anti-Demokraten im Rat sitzen, erhalten sie natürlich ihre Möglichkeiten, ihre Anträge können sie stellen, sie bekommen ihre Redezeiten. Aber mehr wird es mit mir nicht geben, nicht mehr Einfluss und Aufmerksamkeit als nötig.

Sie haben im Bankgeschäft gearbeitet, in Hannover, in Frankfurt. Jetzt sind Sie wieder in Lemgo gelandet. Was ist schiefgelaufen?

Arne Brand: Da ist alles richtig gelaufen. Ich hatte die Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen, in einem internationalen Team in Frankfurt zu arbeiten. Aber das lässt mich noch viel mehr wertschätzen, was ich hier vor Ort habe. Über die Möglichkeit zurückzukommen, habe ich mich sehr gefreut. Das war der richtige Schritt, den ich als Ur-Lipper gar nicht bereuen kann.

Sie sind von Haus aus Jurist, kennen die große Geldwirtschaft – aber nicht die Stadtverwaltung. Ist das gut oder schlecht?

Arne Brand: Die Perspektive von außen kann ja immer eine hilfreiche Perspektive sein. Und schlecht ist es sicher nicht, sich mit Geld auszukennen. Durch meine langjährige, verantwortungsvolle Arbeit im Landesverband Lippe habe ich einerseits nachhaltig Verwaltungserfahrung gewinnen dürfen, andererseits sehr intensiv die lippische Perspektive gelebt. Lemgo ist für den Landesverband die Heimatgemeinde, das ist schon eine sehr innige Beziehung. Zudem bringe ich aus dieser Arbeit zusätzliche Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit anderen Kommunen mit.

Die lippische Perspektive ist sicher nicht schlecht, aber dass Sie in Detmold wohnen, könnte manchem Lemgoer missfallen. Stichwort Apenberg-Syndrom.

Arne Brand: Ich bin ja gebürtiger Lemgoer und Lemgo ist ein bisschen das Lippe von Lippe. Diese Heimatverbundenheit, das ist schon einzigartig. Der Lemgoer war schon immer etwas Besonderes. Und das zu Recht. Lemgo sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Es hat genug, worauf es stolz sein kann. Die Stadt hat riesiges Potenzial. Und ein Umzug ist für uns auch nicht ausgeschlossen.

 

Zur Person

Arne Brand ist gebürtiger Lemgoer. Er hat in Bielefeld Jura studiert und danach drei Jahre in Hannover und acht Jahre in Frankfurt für verschiedene Banken gearbeitet. Seit 2016 ist der 45-Jährige wieder in Lippe, lebt mit seiner Frau in Detmold. Arne Brand ist Leiter der Immobilienabteilung des Landesverbandes und allgemeiner Vertreter des Verbandsvorstehers.

 

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