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Mit "Mein Lemgo" gut informiert zur Wahl

Am 13. September ist Kommunalwahl. Hier finden Sie alles über die Kandidaten und die Standpunkte der Parteien.

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Drei Bewerber stellen sich zur Wahl als Lemgoer Bürgermeister oder Bürgermeisterin. "Mein Lemgo" stellt sie in Interviews vor.

 

Markus Baier, Katharina Kleine Vennekate und Arne Brand: Sie wollen in den "Chefsessel" im Rathaus. Wer das Rennen macht entscheiden die Wähler. "Mein Lemgo" hat mit allen drei Kandidaten gesprochen: Wie sehen sie Lemgo jetzt, was wollen sie verbessern? Wie tief sitzt der Corona-Schreck, und wie kommt Lemgo aus der Krise? Wie bewerten sie die immer kompliziertere politische Entwicklung, die sich auch auf lokaler Ebene abzeichnet? Auf diese Fragen haben alle Bewerber geantwortet. Dazu gab es für jeden noch zwei Fragen, die ihn oder sie persönlich betreffen.

Den Auftakt macht Markus Baier. Er tritt als parteiloser Kandidat an, mit der Unterstützung der CDU und der Wählergruppe "Soziales Lemgo".

 

Was läuft gut in Lemgo?

Markus Baier: Jede Menge. Lemgo hat in den letzten zehn Jahren eine gewaltige Entwicklung hingelegt. Der Arbeitsmarkt kann sich gut sehen lassen, und das ist die Grundlage dafür, dass wir Lemgo auch in Sachen Lebensqualität und Infrastruktur voranbringen konnten. Etwa mit der neuen Mittelstraße und dem Auenpark, das wird, sage ich immer, „Lemgos Englischer Garten“. Die Innenstadt hat unheimlich gewonnen, und unser Einzelhandel ist so gut, dass auch Menschen von außerhalb nach Lemgo kommen. Die Stadt steht gut da und hat viele schöne Ecken, da brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Was müsste verbessert werden?

Markus Baier: Ganz schlecht ist, wenn eine Stadt so stehen bleibt. Dann gibt es keine Entwicklung mehr. Ich habe Visionen für die Zukunft, in ganz vielen Bereichen. Wenn wir bei der historischen Innenstadt bleiben, wäre das die Achse Schuh-Stiftstraße oder die Seitenstraßen zur Mittelstraße. Man muss immer dran bleiben.

Da spricht der Bauamtsleiter. Aber es gibt ja nicht nur Bauprojekte, die angegangene werden müssen.

Markus Baier: Nein, zum Beispiel der Verkehr: Die Gewohnheiten ändern sich. Es ist gut dass wir den Stadtbus haben und viele das Fahrrad nutzen, aber gerade beim Stadtbus kann man sicher noch etwas  verbessern, zum Beispiel mit den neuen digitalen Möglichkeiten. Am Ende der neuen Legislaturperiode müssen wir den Stadtbus neu ausschreiben, dann müssen wir auch entscheiden, ob und wie es weitergeht. Das Rendezvous-System ist sehr gut, aber das kann man vielleicht ergänzen. Und wir müssen die Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept umsetzen. Gut, dass wir ab Herbst einen Radverkehrsbeauftragten haben werden. Ich denke, dass wir unseren schon guten Radverkehr noch weiter nach vorne bringen können. Die Digitalisierung der Verwaltung und in den Schulen ist auch ein riesen Thema. Gewerbegebiete. Klimaschutz. Die Aufgaben sind vielfältig.

Welche weiteren Aufgaben sehen Sie denn noch?

Markus Baier: Wir haben die gleichen Probleme wie jede andere Stadt. Das fällt hier nicht so auf weil es hier so schön ist. Nicht alle Stadtteile entwickeln sich gleich gut, zum Beispiel sehe ich am Biesterberg noch viel Potenzial. Da stehen viele Wohnungen leer, das könnte die Wohnungsmarktprobleme gerade im günstigen Bereich auf einen Schlag lösen. Da müssen wir dran bleiben, denn die Lage dort ist eigentlich sehr schön. Ansonsten hat sich auf dem Wohnungsmarkt viel getan, da sind wir gut dabei mit den Neubaugebieten. Aber in der Stadt und auf dem Dorf soll es sich gleich gut leben lassen. In den Ortsteilen ist mit Leader-Projekten und den Dorfwerkstätten schon viel Ehrenamt und Gemeinsinn erzeugt worden, aber es waren noch nicht alle dran. Und manche haben vielleicht schon Ideen für neue Projekte.

Bleibt noch der Blick auf die Wirtschaft.

Markus Baier: Der Innovation-Campus ist Lemgos Zukunftsprojekt schlechthin, da geht es jetzt erst richtig los. Das sichert uns den Wohlstand, den wir uns mit dem Gewerbegebiet in Lieme erarbeitet haben.

Das derzeit aber ein Knackpunkt ist.

Markus Baier: Ja, da kann sich Lemgo ganz schön ausbremsen, den Knoten müssen wir durchschlagen. Ich hoffe, hier lässt sich ein Konsens mit dem neuen Rat finden, damit Lemgo mit einer gut aufgestellten mittelständischen Wirtschaft die Basis für eine zukünftige Stadtentwicklung legen kann.

Als Sie Ihre Kandidatur bekanntgegeben haben, sah die Welt noch anders aus, Lemgo stand gut da. Jetzt stecken wir mitten in der Krise. Erschreckt Sie das nicht?

Markus Baier: Als jemand der das Geschäft hier kennt bin ich nicht so leicht zu erschrecken. Ich weiß, dass das Bürgermeister-Amt harte Arbeit ist. Ich habe im Stab für außergewöhnliche Ereignisse mitgearbeitet und mitgekriegt, wie man das bewältigen kann. Wir haben das Virus erst mal eindämmen können, aber keiner weiß was im Herbst kommt. Aber wir haben es geschafft, das, was wir uns vorgenommen hatten, trotzdem durchzuziehen. Diese Investitionen sind gut für die heimische Wirtschaft. Eine Stadt kann ja nicht stillstehen wegen Corona, wir müssen unsere lebendige Stadt aufrechterhalten.

Wie schwer wird es denn für unsere Stadt?

Markus Baier: Lemgo war extrem stark vor der Krise. Uns hilft das schon, dass wir nicht in den Nothaushalt kommen. Aber wir werden wahrscheinlich schon in die Phase kommen wo wir die Ausfälle nicht mehr überall kompensieren können. Das müssen wir nach der Wahl analysieren und schauen wo es dann hingeht. Da müssen wir gemeinsam in den strategischen Stadtzielen festlegen was wir wollen und eventuell Pläne aufschieben. Als erstes müssen wir unseren Handel und unsere Wirtschaft in Schwung bringen.

Die politische Arbeit wird ja auch nicht gerade einfacher. Die Mehrheiten verteilen sich heute anders, neue Parteien treten an – manche nicht unumstritten. Wie gehen Sie damit um?

Markus Baier: Ich denke, dass wir es in Lemgo gewohnt sind, unterschiedliche Meinungen anzuhören und gelten zu lassen. Und auch mal zu streiten und dann aber wieder zusammenzuarbeiten. Da bin ich als parteiloser Kandidat prädestiniert für einen Ausgleich. Wenn da Parteien sind, die in großen Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet werden, lehne ich das als Privatmensch ab. Aber formal haben die natürlich die Rechte, die dazugehören, das ist so in einer Demokratie. Inhaltlich ist das etwas anderes. Aber das verbindet alle Fraktionen im Rat, dass wir zusammen gegen Rechts stehen. Und privat tue ich das auch.

Sie waren auch schon vor Ihrer Zeit in Lemgo in Stadtverwaltungen tätig – in Regensburg und Bad Driburg. Wird man da nicht irgendwann betriebsblind?

Markus Baier: Ich bin als Techniker eigentlich kein typischer Verwaltungsbeamter, sondern ursprünglich auch Quereinsteiger. Ich denke doch, dass ich mir meine Kreativität bewahrt habe bei der Lösungsfindung. Gesetze kann man ja immer im Rahmen des Zulässigen auslegen, und da möchte ich den Menschen gerecht werden und nicht den Buchstaben. Aber ich weiß wie Kommunalverwaltung funktioniert, wer für was zuständig ist bei den Ämtern mit denen wir täglich zusammenarbeiten. Ich bin gut vernetzt. Und ich weiß auch was in den anderen Abteilungen passiert. Ich kenne die Abläufe in Klein- und Großstädten und weiß, wo die Stärken einer Mittelstadt wie Lemgo liegen. Wir haben eigene Planungsabteilungen und können vieles selbst machen, aber alles ist übersichtlich, man kennt sich. Eine Mittelstadt ist der beste Weg Kommune zu betreiben. „Betriebsblind“ im Wortsinn ist vermutlich eher, wer solche Abläufe erst gar nicht kennt.

Sie treten parteilos an, wurden aber von der CDU nominiert und zeigen sich auch viel mit den Christdemokraten. Wie viel CDU ist Markus Baier?

Markus Baier: Die CDU hat mich nominiert und sie wird sich wohl überlegt haben, ob meine Person zu ihrem Wahlprogramm passt. Aber ich habe ein eigenes Programm, und das geht zum Teil weiter – und umgekehrt. Die CDU ist ja auch eine große Volkspartei mit großer Bandbreite. Ich bin einer, der politisch in der Mitte steht. Die Zusammenarbeit mit „Soziales Lemgo“ ist auch gut, und ich bin mit „Einfach Lemgo“ im Gespräch.

Aber wenn das so gut passt mit der CDU, hätten Sie doch da einfach eintreten können.

Markus Baier: Ich war zeitlebens in keiner Partei, weil ich der Meinung war, Stadtentwicklung sollte neutral sein. Fachwissen statt Parteizugehörigkeit. Das passt auch einfach zu mir. Und natürlich darf ich auch eine andere Meinung haben als die CDU. Oft geht es da nur um Nuancen. Ich bin jemand der das Wort Klimaschutz in den Mund nimmt und sagt: Mir ist das wichtig. Die CDU trägt das mit, würde es aber vielleicht etwas anders umschreiben. Aber uns allen geht es um die Lokalpolitik, um Lemgo, und da gibt es große Schnittmengen.

 

Zur Person

Markus Baier ist verheiratet und hat einen 17-jährigen Sohn. Seine Familie lebt noch in Bad Driburg, Markus Baier hat eine Wohnung in Lemgo. Ein Umzug der Familie in die Alte Hansestadt ist nach dem Abitur des Sohnes geplant. Gebürtig stammt Markus Baier aus Oberfranken. Der 46-Jährige hat Architektur und Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Umweltökonomie studiert und lange in der Stadtverwaltung in Regensburg gearbeitet, bevor er als Baudezernent nach Bad Driburg und vor fünf Jahren als Leiter des Geschäftsbereichs Planen und Bauen in die Lemgoer Stadtverwaltung kam.