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"Fridays for Future"-Demo und Umwelttag im Stadtwald: mehr als 200 Lemgoer haben sich am Freitag engagiert.

Um 12.30 Uhr machten die Demonstranten auf dem Marktplatz den Anfang. Mit lauten Sprechgesängen forderten sie unter anderem endlich den schnellen Kohleausstieg und mahnten in den Reden auch mehr Klimaschutz vor Ort in ihrer Stadt an. Symbolisch stand ein völlig verdorrter Weihnachtsbaum neben der Rednertribüne. Rund 150 Lemgoer hatten sich laut Schätzungen der Polizei eingefunden und zogen nach der Versammlung durch die Fußgängerzone. Die Gruppe war damit deutlich kleiner als im September, aber die Demonstranten präsentierten sich umso entschlossener und lauter.

Laut brachten die Demonstanten ihre Forderungen zu Gehör.

Einige von ihnen machten im Anschluss im Stadtwald direkt weiter mit dem Klima-Engagement. Hier hatte die Stadt ab 14 Uhr zu einem Umwelttag eingeladen. Die Bitte an die Bürger: Laub im Wald verteilen.

Was zunächst klingt wie Eulen nach Athen tragen war absolut ernst gemeint, und so führte Stadtwald-Förster Hans-Friedrich Meiercord die Gruppe zu einem Bereich, in dem nur noch vor sich hin nadelnde Fichten stehen. Am Weg hatten die Mitarbeiter der städtischen Betriebe vorab einen großen Laubhaufen aus dem angrenzenden Mischwald-Gebiet vorbereitet.

Dieses Laub, so erklärte Hans-Friedirch Meiercord, enthalte auch Samen: Eicheln, Bucheckern und andere Früchte, die aber von allein eben nicht unter die Fichten gelangen. Ohne Hilfe würden unter den absterbenden Bäumen nur neue Fichten nachwachsen: „Das wäre ein großes Problem.“

Hans-Friedrich Meiercord (vorne links) erklärt den Helfern, was zu tun ist.

Denn der Zustand der Bäume zeigt deutlich, dass sie hier keine Chance haben, wenn der Klimawandel voranschreitet. „Auch die, die noch grüne Nadeln haben, sind eigentlich schon tot“, erklärt der Fachmann mit Blick auf die Bäume. Hier soll sich mit Hilfe der rund 100 freiwilligen Helfer jetzt ein widerstandsfähiger Mischwald entwickeln.

Das Laub mit den Samen wurde sorgfältig ausgewählt, denn die Bäume müssen zum Standort auf der Höhenlage bei Lüerdissen passen. Roteiche, Bergahorn, Hainbuche und Linde wurden mit der Streu gesät. „Birke und Eberesche kommen von selbst“, ergänzt Hans-Friedrich Meiercord. Und natürlich kämen auch neue Fichten durch, aber als Teil einer bunten Baumgesellschaft hätten sie bessere Chancen – und Stürme und Dürrejahre würden hier zumindest keine Totalausfälle mehr fordern.

Viele Kinder halfen mit, das Laub-Samen-Gemisch dahin zu bringen, wo es benötigt wurde.

Damit die Samen aus dem Laubhaufen angehen, harkten die Helfer erst Flächen unter den toten Bäumen frei. Denn der Waldboden war hier von den Nadeln bedeckt. Dann wurde das Laub aufgebracht. Die toten Bäume bleiben stehen, wo sie niemanden gefährden, erklärte der Fachmann. Sie schützen die nachwachsende Baum-Generation und bieten Tieren und Pilzen Lebensraum.

Auf den freigeharkten Flächen kann sich jetzt neuer Mischwald entwickeln.

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