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Zwei Lemgoer Schausteller bauen ihre Buden in der Laubke auf. Heute ist Eröffnung.

Nicht Fisch, nicht Fleisch – damit können Anke Wiehemeier-Friedt und Ehemann Siggi nicht sein. Und auch ein Sabbatjahr kommt für die beiden fleißigen Unternehmer von „Wiehemeiers Fischhafen“ und „Schinderhannes Spießbraten“ nicht in Frage. „Wir wollen mit unseren eigenen Händen Geld verdienen“, sagen die beiden und setzen mit Lemgos neuem „Laubker Biergarten“ ihr außergewöhnliches Geschäftsmodell gewohnt professionell in die Tat um.

Auf dem 5000 Quadratmeter großen Betriebsgrundstück in der Gildestraße 4 herrscht emsige Betriebsamkeit. „Wenn wir es nicht probieren, hätten wir immer gesagt, hätten wir mal“, ist sich Anke Wiehemeier-Friedt sicher und begutachtet die geschrubbte Ladentheke in ihrem Fischhafen. Das hat sie das letzte Mal am 8. Dezember, Kläschensonntag, getan. „Jetzt, wo ich den Wagen wieder fertig gemacht habe, habe ich erst so richtig gemerkt, was mir fehlt“, bekennt sie mit einem Lächeln.

Die Bude steht, es fehlen nur noch die Gäste.

Seit fünf Jahrzehnten sind die beiden Unternehmen mit Fisch und Fleisch und vor allem mit ganzem Herzen am Markt. Corona hat sie hart getroffen. Seit Kläschen gab es keine Einnahmen mehr. Ihre vier festangestellten Kräfte mussten sie in Kurzarbeit schicken. „Bitter. Am schlimmsten ist die Perspektivlosigkeit. Wir brauchen die Traditionsveranstaltungen wie Wilbasen, Libori oder auch Kläschen, sonst sind wir verloren“, sagt Siggi Friedt.

Was der 55-Jährige allerdings scheinbar nicht verlieren kann, ist sein Humor: „Ich spiele seit 27 Jahren Golf. Ich habe noch nie so viel, aber auch noch nie so schlecht gespielt. Mein Kopf ist einfach nicht frei.“ Der Biergarten könnte ein Befreiungsschlag sein. Zumindest helfen, um zu überleben, bis wieder Volksfeste stattfinden werden. Eigentlich wären sie um diese Zeit auf dem Stoppelmarkt in Vechta. Mit ihren Verkaufsständen und ihrem geliebten Wohnwagen, in dem sie normalerweise 22 Wochen im Jahr verbringen. Er ist in der Halle geparkt. „Ob wir da jemals wieder drin wohnen werden?“ Das fragt sich die engagierte Fischfrau täglich.

Platz für 200 Besucher ist auf den zünftigen Bierzeltgarnituren - mit Abstand.

„Es fehlt einfach so wie die Geselligkeit und das immer woanders sein“, erklärt sie und schiebt mit einem Lächeln hinterher: „Wir werden bestimmt während unserer Biergartensaison mal im Wohnwagen nächtigen.“ Im Biergarten wird der Blumenschmuck auf den Tischen drapiert. Bis zu 200 Gästen finden bei gehaltenem Abstand auf dem teilweise überdachten und videoüberwachten Gelände Platz. Die legendären Schinderhannes-Steaks, die Hunsrücker Bratwurst, heißer Backfisch, leckere Fischbrötchen, Kartoffelsalat und Eis warten auf ihre Abnehmer. Und mittendrin steht die Schinderhannes-Schänke.

Fühlt sich fast so an wie auf Kläschen. Und das ist für die beiden leidenschaftlichen Schausteller ein gutes Gefühl. Genauso wie das für ihr gesamtes Team, das im Biergarten zumindest ein Stückchen neue Heimat finden soll. Papa und Fischexperte Ernst Wiehemeier freut sich, den Fisch zu schneiden und plant sogar, ihn auf dem Betriebsgelände zu räuchern. Tochter Lea unterstützt ihre Eltern genauso wie die vielen Menschen, die ihnen mit der Idee vom Biergarten Mut zugesprochen haben. „Es ist toll, zu wissen, wie viele Kunden und Gäste hinter einem stehen“, meint Anke Wiehemeier-Friedt, die ihrerseits großen Wert auf den Kauf heimischer Produkte legt.

Kirmes-Flair: Ein bisschen können sich die Gäste vorstellen, es wäre alles so wie vor Corona. Aber noch gibt es keine echten Karussells in der Nachbarschaft des "Schinderhannes".

Zurück in die Schenke. Dort wird die Biergarten-Chefin persönlich in den nächsten Wochen zapfen und gekühlte Getränke aller Art ausschenken. Und plötzlich ergreift sie die Vorfreude auf das, was mit einer fixen Idee begann: Ein Biergarten mit allem, was sie haben. Das Paar, das sich seit 33 Jahren kennt und liebt, greift zu den Weinflaschen. Die mit dem Etikett „Literweise Glück“ und jetzt ist glasklar, dass sie vor allem sich haben.

Der Laubker Biergarten ist Donnerstag bis Samstag von 16 bis 22 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

Tische, Bänke, Sonnenschirme - in der Laubke ist alles vorbereitet.

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