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Gitarrenstunde auf Youtube, Klavierübungen als Online-Konferenz mit dem Lehrer: Musikschulen lassen sich derzeit einiges einfallen. Die Technik ist aber schnell überfordert.

Die Lemgoer Musikschule ist geschlossen, aber die Lehrerinnen und Lehrer sind in den Ferien fleißig. Sie erstellen Videos, damit der Musiker-Nachwuchs zu Hause üben kann. Denn auch für den Musikunterricht werden jetzt vermehrt digitale Möglichkeiten ausprobiert – nicht nur in Lemgo.

Musikschulleiter Florian Altenhein rechnet damit, dass der Unterricht auch nach den Osterferien nicht sofort normal anlaufen kann. Für die drei Wochen vor den Ferien wurde den Schülern die Gebühr erstattet. Vielleicht könne nach den Ferien wieder Unterricht einzeln oder in Zweiergruppene erteilt werden, falls die Kontaktverbote gelockert werden. Aber auf jeden Fall soll es online-Angebote geben. „Viele werden das auch nutzen“, ist er zuversichtlich. Allerdings: Kein Video kann den Unterricht ersetzen, denn da gibt es technische Grenzen.

Machen mehrere zugleich Musik, geht nichts mehr

Etwa, wenn Gruppen gemeinsam musizieren möchten. Konferenz-Systeme wie Zoom sind damit völlig überfordert, es entsteht ein Ton-Chaos. Oder die Schüler von Florian Altenhein selbst: Er unterrichtet Schlagzeug. „Das steht meistens im Keller oder auf dem Dachboden, da ist der Empfang schlecht.“ Und die lauten Töne seien für die Technik auch ein Problem: „Das Mikro übersteuert dann.“ Dazu kommen Datenschutz-Fragen, die geklärt werden müssen.

Dennoch halten die Lehrkräfte schon jetzt Kontakt zu ihren Schülern und geben Tipps zum Üben, etwa über Whatsapp. „Die fühlen sich dann gut betreut“, sagt Florian Altenhein. Und es sei gerade in dieser Ausnahmesituation hilfreich, die alltäglichen Rhythmen beizubehalten. Buchstäblich.

Die Krise ist also auch in der Musikschule ein Anreiz, Neues auszuprobieren. Aber sie zeigt auch wo es hakt. Die Musikschule hat in den Räumen der Wallschule keine eigene Internetanbindung, auch dafür braucht es langfristig eine Lösung.

Kein Ersatz für persönlichen Unterricht

In ganz NRW werden derzeit Möglichkeiten für digitalen Musikunterricht ausprobiert. „Den Unterricht jetzt ausfallen zu lassen wäre unverantwortlich“, so Bernd Smalla, Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen in NRW, in einer Pressemitteilung des Verbandes. „Viele Menschen haben in dieser schwierigen Situation der sozialen Isolation ein großes Bedürfnis nach musikalischer Betätigung. Und nicht zuletzt verfügen die Schülerinnen und Schüler momentan über ein viel größeres Zeitkontingent.“

Über die Verbände tauschen sich die Musikschulen über technische Angebote aus. Neben viel kreativem Potenzial, das durch die Krise freigesetzt werde, zeige sich aber auch, dass Online-Unterricht sehr aufwändig in der Vorbereitung und Durchführung ist. Schlussendlich sei der persönliche Kontakt und das Gruppenerlebnis durch nichts zu ersetzen.

Das bestätigt Florian Altenhein, und er hofft, dass die Situation bald wieder persönlichen Unterricht erlaubt. Bis dahin dreht er mit seinen Kollegen Videos. „Das ist erstmal eine Überbrückung.“ Die Videos werden Musikschülern und auch Eltern – etwa bei den Gruppen für musikalische Früherziehung – per Link zur Verfügung gestellt.