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Monumentale Bauwerke aus Rom und Paestum sind im Schloss Brake zu sehen – als Bilder und Modelle.

Eine Ausstellung mit „Souvenirs“, so fasst Museumsleiterin Dr. Vera Lüpkes das zusammen, was die Besucher ab Sonntag, 4. Oktober, im Weserrenaissance-Museum erwartet. Zu sehen sind sogenannte Veduten, also einfache schwarz-weiß Bilder, die Gebäude und Landschaften zeigen. Sie waren beliebte Mitbringsel von Reisenden des 18. Jahrhunderts, bis diese anspruchsvoller wurden – und Erinnerungen in 3D bevorzugten.

Damals brachte es Ansehen, eine Reise nach Italien gemacht zu haben. Denn das dauerte, und der Reisende bewies damit Reichtum und hatte natürlich einen Bildungszuwachs. Und diesen galt es auch zu zeigen.

Möglichkeit eins: Gemälde, prachtvoll, aber teuer. Schon etwas erschwinglicher waren kleine Repliken von Renaissance-Skulpturen. Der absolute Verkaufsschlager aber waren jene Veduten, die zwar das Format großer Gemälde hatten, dank einfacher Vervielfältigung per Drucktechnik aber nur so viel kosteten wie ein einfaches Mittagessen.

Italienische Antike im Bild und als Modell: Das Ehepaar Cöllen (links) und Museumsleiterin Dr. Vera Lüpkes in der Ausstellung.

Giovanni Battista Piranesi hatte darin sein Geschäftsmodell gefunden und verkaufte seine Andenken gleich neben dem Trevi-Brunnen, den damals schon die Reisenden scharenweise besuchten. Um die Daheimgebliebenen zu beeindrucken, machte der Künstler die Bauwerke durch kleine Figuren am Rande optisch noch größer.

Das war aber auch der Makel der Bilder, die ansonsten einen guten Eindruck davon vermitteln, wie die Bauwerke vor rund 300 Jahren aussahen. Vieles war damals noch besser erhalten als heute, aber die Menschen vor Ort würdigten die Antike nicht und trieben achtlos ihr Vieh durch die Ruinen.

Das Kolosseum auf einer Vedute von Giovanni Battista Piranesi.

Ein Engländer kam dann auf die Idee, für einen noch besseren Eindruck der Gebäude dreidimensionale Modelle zu erstellen. Damit beauftragte er einen Krippenbauer aus Neapel, die Handwerker dort waren für diese Kunst berühmt – und sie arbeiteten Mit Kork. Als der erste Kork-Nachbau des Vesta-Tempels aus Tivoli fertig war, wollte jeder, der es sich leisten konnte, solche Modelle. Bald standen sie in allen Herrscherhäusern.

„Diese Modelle sind heute noch Studienobjekte von Archäologen“, berichtet Vera Lüpkes, denn sie seien absolut exakt. Aber die Begeisterung ließ nach, als das Reisen einfacher wurde und man sich vor Ort ein Bild machen konnte. Viele Modelle verfielen auf Dachböden oder in feuchten Kellern.

Die Korkmodelle von Dieter Cöllen machen die Ruinen dreidimensional erlebbar.

Der gelernte Architekt Dieter Cöllen entdeckte diese alte Kunst und restaurierte einige erhaltene Modelle. Dabei lernte er die Technik – und fertigt heute selbst Nachbildungen antiker Gebäude, die so echt wirken, dass man auf Fotos die Nachbildung für das Original halten kann. Mehrere seiner Modelle zieren die aktuelle Ausstellung, und zur Eröffnung sowie noch einmal am 22. November lässt sich der Experte sogar bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Die Eröffnung am 4. Oktober – dem 300. Geburtstag des Künstlers Piranesi – ist bereits ausgebucht. Die Ausstellung „Von der alten Herrlichkeit“ ist aber noch bis zum 10. Januar im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake zu sehen. Immer sonntags um 15 Uhr wird eine öffentliche Führung angeboten. Informationen zum Begleitprogramm und Anmeldung zu allen Angeboten unter https://museum-schloss-brake.de/sonderausstellung/

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