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Dr. Markus Pieper, Mitglied des Europäischen Parlaments, spricht bei CTS-Reisen über EU-Politik. Die geht auch die Alte Hansestadt etwas an.

Mehr als 6000 Reisegruppen buchen im Jahr ihre Klassenfahrten und Ausflüge bei CTS-Reisen in Lemgo. Damit ist das Unternehmen einer der führenden Anbieter in diesem Bereich. Für Schulklassen könnte England als Reiseziel aber nach dem Brexit komplizierter werden.

Ein Grund, sich mit Dr. Markus Pieper zusammenzusetzen. Den Kontakt hat der Lemgoer CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Harald Pohlmann vermittelt. Markus Pieper ist als EU-Politiker der CDU unter anderem für OWL zuständig. Das Problem, dass die beiden CTS-Geschäftsführer Ingo und Oliver Dobbert umtreibt: Gibt es in einer Klasse Schüler ohne deutschen Pass, dürfen sie nicht nach England einreisen.

Nur ein Visum, das rund 100 Euro kostet, würde ihnen die Teilnahme an der Reise ermöglichen. Da es viele Schüler ohne deutschen Pass in den Klassen gebe, sei das für die Branche – und für die Schulen – ein echtes Problem. Und zwar eins, bei dem in all den Wirren der Brexit-Verhandlungen bisher niemand gedacht hat, wie Markus Pieper bestätigt. Er will diese Anregung in Brüssel einbringen. Dort habe er die richtigen Kontakte, sagt er.

Citiy-Tax macht Klassenfahrten teuer

Der Vorschlag aus Lemgo: Im Klassenverband soll die Einreise genehmigt werden. Und noch einen weiteren Wunsch geben die Lemgoer Unternehmer dem CDU-Politiker mit auf den Weg nach Brüssel: Viele europäische Großstädte verlangen inzwischen City-Tax, eine Art Kurabgabe. Auch Übernachtungspreise würden oft noch draufgeschlagen. Diese pro-Kopf-Abgaben summieren sich und würden bei den meisten rund 250 bis 300 Euro einen unverhältnismäßigen Anteil der Kosten ausmachen.

In Deutschland gelte für Schulklassen eine Ausnahmeregelung, sie sind von diesen Abgaben befreit. Das soll Markus Pieper als weiteren Vorschlag für alle EU-Länder mitnehmen. „Die Schüler reisen ja nicht touristisch“, betont Ingo Dobbert. Und solche Jugendreisen seien wichtig, um Europa für die Schüler begreifbar zu machen.

Aber nicht nur der Reiseanbieter hatte Wünsche an Brüssel. Auch Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Thorsten Buncher, der sich für die Lemgoer Städtepartnerschaften engagiert, blicken mit Sorge auf die derzeit laufenden Haushaltsdebatten der EU. Denn da drohen Sparmaßnahmen, die auch eine lippische Mittelstadt treffen könnten.

"Brüssel ist 100mal effizienter als Berlin"

Markus Pieper überschlägt, dass rund 15 bis 20 Millionen Euro aus EU-Mitteln jedes Jahr nach Lemgo gehen. Darin enthalten sind die Leader-Förderung und Gelder für Forschung und Lehre am Campus. Erasmus-Reisen und die Patenschaften machten vermutlich weitere fünf Millionen aus. Markus Pieper stellte in Aussicht, sich auch hier dafür einzusetzen, dass diese Fördermittel nicht gekürzt werden.

Aber auch der EU-Politiker hatte ein Anliegen: Er wollte das Image der EU in Deutschland korrigieren. Da sehe man die EU oft als schwerfälliges Bürokratie-Gebilde. Aber: „Brüssel ist 100mal effizienter als Berlin“, betonte Pieper, für die Organisation reichten etwa so viele Beamte wie in der Stadtverwaltung von Köln arbeiten. „Man kennt sich“, nennt er den Vorteil.

Und was ist mit der Datenschutz-Grundverordnung oder den viel genannten Gurken? Sowohl die Richtlinien zum Datenschutz als auch die für die Gemüse-Krümmung seien auf Initiative aus Deutschland eingeführt worden. „Das waren wir selbst“, bestätigt Reiner Austermann. Und Ingo Dobbert verwies noch einmal auf seinen Geschäftsbereich: „Viele Jugendlichen von heute haben nie erlebt, dass sie irgendwo einen Pass zeigen mussten.“ Diese Freiheit dürfe man nicht selbstverständlich hinnehmen.